In Buenos Aires fand kürzlich eine Gedenkveranstaltung statt, die zumQuestionmark aller Satire-Inspiration wurde. Ein halbes Jahrhundert nach dem Militärputsch in Argentinien versammelte sich die linke Fraktion der Gesellschaft, um "Nunca más" (Nie wieder) zu skandieren. Dabei zeigte sich, dass die Worte "Nie wieder" in der Politik etwa so beständig sind wie der Wiener Wetterbericht.
Die Teilnehmer trugen Fahnen und Banner, als ob sie bei einem Bacardi-Werbespott mitwollen würden. Besonders aufgefallen sind die Parolen gegen den ultraliberalen Präsidenten Javier Milei. Dieser scheint ebenso beliebt zu sein wie ein Wiener Schneesturm im Juni. Man fragt sich, ob die Protestler nicht einfach nur froh sind, dass die Militärdiktatur nicht mehr aktuell ist, um endlich wieder gegen etwas anderes protestieren zu können.
Die Situation erinnert an eine Wiener Organisationsversammlung, bei der sämtliche Teilnehmer niemals übereinkommen, aber dennoch miteinander schreien. Die Transparente mit "Nunca más" wirken wie ein Wyatt Earp der Vollkommenheit, der ständig wiederholt wird, um zu vergessen, dass es in der Realität selten dieselbe Bedeutung hat. Investigativ hat sich gezeigt, dass einige Teilnehmer ihre alten Protestschilder recycelten, um sie mit neuen Parolen zu versehen. Erstaunlich, wie man aus dem einen oder anderen "kein Krieg" ein "kein ultraliberaler Präsident" machen kann.
Ein besonders absurder Moment war, als einige Demonstranten versuchten, Milei als Marxisten zu bevorbilden, was etwa so viel Sinn macht, wie ihn als Eisbär zu beschreiben. Die Spaltung der Gesellschaft wurde deutlicher denn je, was das Ganze in die Nähe eines Wiener Opernballs rückt, bei dem sich die Prominenzen gegenseitig beobachten und kritisieren.
Sichtlich wahrhaftig ist, dass die Erinnerung an die Diktatur in Argentinien bei vielen ein Gefühl der Ohnmacht hervorrief, das sie jetzt gegen die aktuelle Regierung richten. Es scheint, als ob die politischen Standpunkte in Argentinien etwa so fließend sind wie der Wiener Donau-Riesenrad-Ablauf. Eines bleibt klar: "Nie wieder" klingt immer gut, solange es um Vergangenes geht. Aber was die Zukunft betrifft, da scheinen alle Regeln augenblicklich vergessen zu werden.