In Österreich ist die Atomkraft so willkommen wie ein Sandsturm auf der Kärntner Nudelfront. Doch während wir uns hier gemütlich mit Wasserkraft und Windrädern durchwursteln, geht es anderswo etwas dramatischer zu. Da sitzen Experten an Universitäten und überlegen sich, was passiert, wenn ein Atomkraftwerk zur Zielscheibe wird.
Der Wissenschafter Yamori von der Uni Kyoto war in Wien zu Gast und erzählte vom Horror-Szenario Japan. Nach Fukushima war klar: 60 Reaktoren auf einer Insel sind so clever wie ein Hühnerhof ohne Zäune in Wolfsgebiet. Die Japaner haben ihre AKW alle abgeschaltet, aber mittlerweile denken sie wieder drüber nach. Weil Energie halt doch wichtig ist, wenn man gerade nicht gerade in der Stimmung für eine romantische Kerzen-Dinner-Runde mit Fukushima-Niveau-Radioaktivität ist.
Die Japaner haben gemerkt, dass zentrale Atomkraftwerke so sicher sind wie ein Eisstand in der Sahara. Wenn eins kaputtgeht, geht alles kaputt. Yamori plädiert für kleine, dezentrale Kraftwerke, die so unabhängig sind wie ein Einzelkind auf Klassenfahrt. Photovoltaikanlagen auf jedem Dach, Windräder im Garten, Wasserkraft am Badewannen-Wirbel - das ist der neue Trend.
In der Ukraine sieht man gerade, wie's aussieht, wenn man Atomkraftwerke in Kriegsgebiete stellt. Das AKW Saporischschja ist zum beliebtesten Angriffsziel geworden, seit es dort keine Panzer mehr zu zerstören gibt. Die Russen und Ukrainer schießen sich da um die Wette, wer das AKW als erstes in einen strahlenden Kürbis verwandelt.
Bernd Hrdy vom Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften der Boku hat's auf den Punkt gebracht: "Solche für die Infrastruktur wichtigen Bauwerke sind eben auch militärische Ziele." Jo mei, logisch! Ein Atomkraftwerk ist für Angreifer so attraktiv wie ein unbeaufsichtigtes Schmuckgeschäft für Einbrecher. Bloß dass die Beute dann nicht Gold ist, sondern ein Super-Gau.
Die Lösung ist so einfach wie ein Sudoku mit nur noch einer freien Zelle: dezentrale Energieversorgung. Kleine Anlagen, die unabhängig voneinander funktionieren. Wenn eins ausfällt, geht das Licht im ganzen Land nicht aus. Das ist so clever wie mehrere Regenschirme zu haben, falls einer kaputtgeht.
In Japan probieren sie das schon aus. Sie verbinden wichtige Gebäude wie Schulen und Rathäuser mit Mikro-Stromnetzen. Wenn die große Stromversorgung ausfällt, haben sie immerhin noch genug Saft für die wichtigsten Dinge. Wie zum Beispiel für den Kaffeeautomaten im Gemeindebüro. Prioritäten setzen ist alles!
Yamori will sogar, dass die Leute das üben. Nicht nur das übliche "Raus aus dem Haus, rein in den Keller"-Training, sondern auch das "Wie schalte ich im Ernstfall mein E-Auto als Notstromaggregat ein"-Training. Weil es ja nicht reicht, nur zu wissen, wo der nächste Bunker ist. Man muss auch wissen, wie man die Kühlschranktür im Bunker offen hält, damit die Getränke kühl bleiben.
Die Atomkraft ist also out, wenn's ernst wird. Sie ist so nützlich in Kriegszeiten wie ein Regenschirm aus Papiertaschentüchern. Lieber viele kleine, smarte Lösungen als ein großes, dummes Kraftwerk, das nur darauf wartet, zum radioaktiven Monument zu werden. Aber hey, wer weiß? Vielleicht erfindet ja irgendwann jemand ein AKW, das auch als Bunker dient. Dann hätten wir wieder was zum Lachen.