Fünfmal auswärts, fünfmal die Reisetasche packen, fünfmal hoffen, dass das Hotelbett nicht nach drei Spielereienreihe riecht. Für den Kremser SC ist das kein Fluch, sondern die Erfüllung eines lang gehegten Traums: endlich raus aus der Provinz und mal sehen, wie die anderen so spielen.
Trainer Fallmann, der diese ungewöhnliche Serie noch nie erlebt hat, wirkt begeistert wie ein Kind an Weihnachten. "Wurscht, ob wir zu Hause oder auswärts spielen", verkündete er mit der Nonchalance eines Mannes, der gerade die Waschmaschine abgeschafft hat. "Wichtig ist, dass wir unser Spiel auf den Platz bekommen."
Sein Spiel auf den Platz zu bekommen, bedeutet für Fallmann vor allem: keine lästigen Sanitäter mehr vor der Haustür. Keine besorgten Anrufe von Eltern, deren Söhne nach einem harten Tackling weinen. Keine Pflichtspiele mehr vor traurigen 73 Zuschauern, von denen 72 mit der Mannschaft verwandt sind.
Stattdessen: Fünfmal Business Class nach Wien, fünfmal im edlen Hotel nächtigen, fünfmal vom Johnny-Stahl serviert werden. Fünfmal das Gefühl haben, ein großer Verein zu sein. Fünfmal das Gefühl haben, ein großer Verein zu sein.
Die Mannschaft ist begeistert. Endlich mal raus aus der Kleinstadt, endlich mal die Metro statt den Linienbus nehmen, endlich mal ein Match im Prater statt auf dem vereinseigenen Bolzplatz. Endlich mal nicht die Trikots selber waschen müssen, sondern dem Hotelpersonal überlassen.
Dabei hat Fallmann sogar eine sportliche Taktik entwickelt: "Wir gewöhnen uns ans Reisen, bis wir am liebsten nur mehr in der Fremde spielen. Dann kommt der psychologische Moment, wo wir merken: Zu Hause fühlen wir uns gar nicht mehr wohl."
Die Heimspiele? Die werden zum nostalgischen Event. Mit Omas, die an ihre Jugend im Stadion erinnert werden wollen. Mit Kindern, die die Spieler auf Autogrammkarten bewundern. Mit einem Verein, der seine Wurzeln feiert, indem er vorgibt, auswärts zu spielen, aber in Wahrheit im eigenen Stadion kickt.
Für die Fans ist das allerdings eine harte Probe. Keine Heimspiele mehr, nur mehr Auswärtsspiele. Keine Bratwürste mehr, nur mehr Reiseproviant. Keine Mannschaftsbusse mehr, nur mehr Sammeltaxis.
Aber hey, zumindest müssen sie nicht mehr die fünf Euro Eintritt bezahlen. Die werden ja schließlich durch die Reisespesen gedeckt. Und wer weiß: Vielleicht gewöhnt man sich ja ans Reisen. Vielleicht wird aus dem treuen Heimfan irgendwann ein passionierter Auswärtsfan. Vielleicht entwickelt man ja sogar eine richtige Fußballreisekultur.
Bis dahin bleibt nur zu hoffen, dass die Mannschaft die fünf Auswärtsspiele übersteht. Dass sie nicht am Heimweh zugrunde geht. Dass sie nicht am Reisestress zerbricht. Dass sie nicht am Verzicht auf die geliebte Heimat zerbricht.
Denn eins ist klar: Nach fünf Auswärtsspielen in Folge wird die Rückkehr nach Krems kein normales Heimspiel mehr. Es wird ein Fest. Ein Heimspiel, das keines mehr ist. Ein Heimspiel, das zur Legende wird.