Man könnte meinen, die Bären im Landecktal haben einen neuen Trend entdeckt: Tourist sein. Nachdem bereits vor wenigen Tagen einer in Pfunds gesichtet wurde, ließ sich nun ein zweiter Vertreter seiner Art in Tösens blicken. Diesmal allerdings nicht im Wald, sondern direkt bei der Gemeindeverwaltung.
Der Bär, offenbar ein Fan von bürokratischen Abläufen, klopfte pünktlich um 8:45 Uhr an die Glastür. Als die Sekretärin erschrocken zurücksprang, brummte er nur: "Guten Morgen, ich hätte gerne einen Termin beim Bürgermeister. Und einen Kaffee. Ohne Zucker, ich bin ja noch im Winterschlaf." Der Bürgermeister, ein Mann mit stoischer Ruhe, ließ sich nicht beirren und bat den pelzigen Gast ins Büro.
Dort stellte sich heraus: Der Bär war keineswegs verloren oder hungrig. Er kam im Auftrag des Bären-Gewerkschaftsrates. "Wir haben bemerkt", so der Bär, "dass in Österreich die Wintersaison für uns viel zu kurz ist. Während Mensch und Maus im Skigebiet warten, liegen wir hier rum und verpassen das beste Pistenwetter. Das ist doch unfair." Er überreichte eine formvollendete Beschwerde samt Unterschriftenliste - unter anderem von einem Dachs aus Osttirol und einem Murmeltier aus dem Salzkammergut.
Die Gemeinde reagierte prompt. Man bot dem Bären eine Teilzeitbeschäftigung als "Winterschlaf-Berater" an, inklusive Büro, Internetzugang und wöchentlichem Marmeladenbrot. Der Bär überlegte, verlangte dann aber noch einen Dienstwagen - am liebsten einen Geländewagen mit Allradantrieb. "Schließlich muss ich auch mal zu anderen Bären fahren und die Lage erklären."
Die Sache bekam schnell ein Eigenleben. Die Landespolitik zeigte sich "zutiefst besorgt" und schickte einen Krisenstab aus Jägern, Förstern und PR-Beratern los. Derweil bastelte die Gemeinde Tösens bereits am Konzept für den "Europäischen Bären-Gipfel 2027", inklusive Willkommensgruß in Bärensprache und einer großen Tafel mit Beeren und Honig.
Als der Bär gegen Mittag wieder in den Wald trottete, hinterließ er eine Visitenkarte: "Bruno, Bärenbeauftragter für faire Arbeitszeiten." Ob er wiederkommt? Die Gemeinde hofft es - schließlich hat man schon das passende Plakat vorbereitet: "Willkommen, lieber Bruno - hier schläft man länger und zahlt weniger."