Irgendwo in Vorarlberg, wo die Uhren etwas seltsamer ticken und die Bankfilialen offenbar auch als Notfall-Wohlfuehl-Center fungieren, ereignete sich eine ruhmreiche Morgenszene. Um 6.45 Uhr war alles noch so ruhig wie ein mit Butter bestrichenes Semmelstueck - bis sich zwei Akteure als modernes Kasperltheater mit Messern, Tränen und Arztkosten neu erfanden.
Der Herr mit dem Butterbrot im Bauch hatte sich offenbar als stechendes Extra fuer den naechsten Horrorstreifen beworben. Ob er fuer den Morgen eine spezielle Klingen-Therapie reserviert hatte, bleibt unklar. Jedenfalls stand er wie eine weisse Wand im Bankvorraum und spielte den Part des "verletzten Kunden", was in den meisten Filialen eher mit Brotzeitgutscheinen als mit Sanitaetskoffern belohnt wird.
Die Dame ihrerseits hatte offenbar das Pfefferspray als Duftwundermittel entdeckt und wollte ihrem Partner die neue Aromatherapie nahezubringen. Dass dabei auch die eigene Nase zum weinen begann, ist der ewigen Ironie der sozialen Interaktion zu verdanken. "Gib mir den Tropfen" klingt ja meist romantisch - es sei denn, er ist scharf genug, um auch einen Bankomaten zum Weinen zu bringen.
Die Polizei erschien und schaute sich das ganze Spektakel wie bei einem Live-Action-Puzzle an. Zuerst war die Frau weg - dann wieder da, als haette sie nur kurz ihre Garderobe gewechselt. Beide landeten im LKH Feldkirch, wo man sie freundlich als "Duo der ungeplanten Notaufnahme" begruesste. Die Frau wurde wegen ihrer eigenen Pfefferspray-Aktion versorgt - eine Art Karma-Pfefferminztee.
Man kann nur hoffen, dass das Paar die Rechnung teilt - fuer Messer, Spray, Rettung und die Beruhigungstees im Krankenhaus. Und vielleicht, ja vielleicht, lernen sie noch was dabei: Naechtes Mal lieber einen Blumenstrauss mitbringen und die Bankfiliale fuer das, was sie ist - einen Ort zum Geld abheben, nicht zum Blut abzapfen.