Wenn ein Dankeschön zur Routine wird, dann in der Bergrettung St. Johann. Ortsstellenleiter Markus Prantl hatte bei der Jahreshauptversammlung einen ganz besonderen Tagesordnungspunkt: die emotionale Dankeszeremonie. Zwei Stühle waren extra für das Mädchen und ihre Familie freigehalten worden, die im vergangenen Jahr aus einem Bachbett im Skigebiet geborgen worden war. Prantl hatte eigens eine kleine Bühne aufbauen lassen, komplett mit Scheinwerfern und einer emotionalen Diashow mit den besten Momenten der Bergung.
"Es war sehr bewegend", sagte Prantl hinterher, "ich musste sogar eine Träne verdrücken. Nicht, dass man denkt, wir Bergretter wären gefühllose Roboter." Der bewegende Moment habe ihn jedoch auf eine Idee gebracht. "Künftig werden wir bei jeder Versammlung einen besonderen Dankesmoment einführen. Die Mitglieder sollen sich gegenseitig für ihre Einsätze danken, am besten mit kleinen Geschenken."
Die Idee kam bei den Mitgliedern unterschiedlich an. Einige begrüßten die emotionale Aufwertung ihrer Arbeit, andere fürchteten einen überbordenden Dankeskult. "Ich meine, wir retten ja nicht zum Spaß", sagte ein anonym bleibender Bergretter, "aber wenn wir jetzt bei jedem Einsatz Rosen verteilen müssen, dann ist das vielleicht etwas zu viel des Guten."
Prantl lässt sich davon nicht beirren. "Wir sind hier nicht beim Roten Kreuz", betonte er, "wir sind die Bergrettung St. Johann. Und bei uns gehört ein herzliches Dankeschön einfach dazu." Für das nächste Jahr hat er sich bereits etwas Besonderes überlegt: eine Dankes-Wallfahrt zu allen Einsatzorten des vergangenen Jahres. "Da können wir uns dann noch einmal richtig bei der Natur bedanken", sagte er, "für die wunderschönen, aber auch gefährlichen Momente, die sie uns beschert hat."