Es ist ein Phänomen, das sich wie ein Eispickel durch die Bergsteigerszene bohrt: Frauen, die am Berg zurückgelassen werden – nicht durch Zufall, sondern durch das fragile Ego ihrer Begleiter. Der Großglockner-Prozess hat es an die Öffentlichkeit gebracht, aber die Expertin Dr. Bergsteigerin Klara Gletscher weiß: "Das ist nur die Spitze des Gipfelsturms."
Die Geschichten sind so vielfältig wie die Alpenblumen. Da ist die Frau, die auf 2500 Metern plötzlich feststellt, dass ihr Partner seine Angst vor Höhe für eine spirituelle Krise hält. Oder die, die beim Überqueren eines Schneefeldes hört: "Ich glaub, ich kann nicht mehr", während der Mann sich theatralisch auf einen Felsen fallen lässt. "Da steht man dann da, mit Karten und Kompass in der Hand, und denkt: Super, jetzt bin ich nicht nur Alleinverdienerin, sondern auch Bergführerin", sagt eine Betroffene.
Die Experten sprechen vom "gender-gletschernden Verhalten" – ein Begriff, der die schleichende Veränderung beschreibt, wie Männer im Gebirge reagieren, wenn es anstrengend wird. "Das hat mit Hormonen zu tun", erklärt Gletscher. "Testosteron sorgt für Mut beim Aufstieg, aber bei der ersten Erschöpfung setzt der emotionale Kollaps ein." Frauen hingegen seien evolutionär darauf programmiert, in Krisensituationen Ruhe zu bewahren. "Das ist der Grund, warum Frauen im Büro den Laden zusammenhalten und auf dem Berg den Notfall organisieren."
Die Rollenbilder sind tief verankert. Der Mann will der Held sein, der die Gipfel erklimmt, aber wenn's bergab geht mit der Kondition, wird er zum Drama-Queen. Die Frau, die jahrelang darauf trainiert wurde, Rücksicht zu nehmen und Probleme zu lösen, springt ein. "Ich hab ihm mal gesagt: 'Entweder du nimmst jetzt deine Wanderschuhe in die Hand und gehst, oder ich lass dich hier als Denkmal für männliche Überforderung stehen'", erzählt eine erfahrene Bergsteigerin. "Danach ging's bergauf mit unserer Beziehung – wörtlich."
Die Lösung? Experten empfehlen einen radikalen Ansatz: Frauen sollten beim nächsten "Ich glaub, ich kann nicht mehr" einfach stehen bleiben und sagen: "Super, dann warte ich hier auf den Hubschrauber." Oder sie sollten künftig alleine wandern – mit einem GPS-Tracker, der nicht nur den Standort, sondern auch den emotionalen Zustand des Partners überträgt. "Wenn der Stresspegel zu hoch ist, schickt das System automatisch eine Nachricht: 'Liebe Frau, Ihr Partner hat eine Krise. Bitte kommen Sie und retten Sie ihn – oder lassen Sie ihn als Warnung für andere Männer stehen.'"