So schnell kann es gehen im digitalen Zeitalter. Ein Tiroler Unternehmen bestellt bei einer deutschen Anwaltskanzlei - und das war's dann auch schon. Die Ware kam nicht an. Die Firma ist nicht mehr erreichbar. Und die Ermittler stehen ratlos vor einem Fall, der die Justiz an ihre Grenzen bringt.
Denn hier hat jemand die Geschwindigkeit der Bürokratie auf eine neue Ebene gehoben. Innerhalb weniger Tage hat die ominöse Kanzlei nicht nur eine Bestellung entgegengenommen, eine Rechnung gestellt und das Geld kassiert. Nein, sie hat es auch geschafft, sich vom Erdboden zu verabschieden. Das ist nicht nur kriminell, das ist fast schon sportlich.
Der Staatsanwalt dürfte beim Aktenstudium verzweifeln. Wo fängt man an, wenn die Spur so kalt ist wie eine vergessene Suppe im Kühlschrank? Das Einzige, was noch warm ist, ist die Rechnung. Die aber wurde bereits beglichen, mit einem "Vielen Dank" und einem fröhlichen Smiley.
Es ist ein neuer Trend im Wirtschaftsbetrug: Das Verschwinden als Dienstleistung. Die Kanzlei hat nicht nur Waren verkauft, die es nicht gab. Sie hat auch Zeit gespart. Statt monatelanger Verhandlungen und Gerichtsprozesse gibt es hier ein fertiges Paket: Bestellung, Bezahlung, Abtauchen. Alles inklusive.
Das Beste daran: Die Firma hat alles richtig gemacht. Sie hat eine Bestellung getätigt, bezahlt und auf Lieferung gewartet. Wer hätte gedacht, dass man in der modernen Geschäftswelt nur eines braucht: Vertrauen und einen guten Buchhalter, der Schecks unterschreibt, ohne nachzufragen.
Es ist zu hoffen, dass die Polizei schnell Erfolg hat. Denn wenn sich dieser Betrug weiter ausbreitet, müssen wir bald alle bei Anwälten bestellen. Die liefern zwar nichts, aber zumindest die Rechnung kommt garantiert an. Und das ist ja bekanntlich die Hauptsache.