Lange galten Biathletinnen als die Glocken im Schweizer Glockenspiel - leicht, luftig, immer irgendwie am Glocken. Aber nicht Lisa Hauser. Die Tirolerin war eher eine Flaschenpost, die immer wieder auf offener See auftauchte und Botschaften aus der Welt der Doppelbelastung sandte. Nun, da sie sich aus dem Schnee-Rennen verabschiedet, will sie nicht einfach nur die Badehose an den Nagel haengen, sondern direkt in die naechste Oase springen: die Bundesverwaltung.
Ein Beamtenposten im Ministerium, sagt man, sei wie ein Biathlon ohne Schi und ohne Schiessen. Man steht nur da, traegt viele Abzeichen und bekommt trotzdem Medaillen - zumindest in Form von Gehaltserhoehungen. Lisa Hauser soll eine Stelle als "Direktorin fuer Postale Belastungsverteilung" anstreben. Ihre Aufgabe: die Zuteilung von Arbeitslasten in einem Ministerium, das seit Jahren von der Ueberlastung gezeichnet ist.
Die Ueberleitung vom Spitzensport zur Behoerde verlaeuft nahtlos. Hauser war schon immer gut im Zielen - auf das Schießstand-Gatter und auf die richtige Karriereoption. Nun zielt sie auf einen Schreibtisch mit Aussicht. Die Stichworte sind die gleichen: Struktur, Disziplin, Ergebnis. Nur dass man jetzt statt einer Ziellinie eine Dienstreise nach Brüssel im Visier hat.
Ihre ehemaligen Kollegen gratulieren mit gemischten Gefuehlen. Christoph Sumann, bis vor kurzem noch Sportdirektor, sieht in ihr die ideale Besetzung fuer eine neue Abteilung "Leistungssport und Papierkrieg". "Sie war schon immer eine Teamplayerin", sagt er, "und in der Behoerde muss man ja auch mit allen kooperieren - auch wenn die alle langsamer rennen."
Auch der Oesterreichische Skiverband bietet eine Art Ruhestand fuer Hauser an: Sie soll kuenftig die interne Post austragen. Ein Job, der perfekt zur Biathlon-Vita passt. Schi-Langlauf und Schi-Sprint, nur dass man jetzt auf Laminat statt auf Loipen unterwegs ist. Die Medaillen bleiben weg, dafuer gibt es aber einen Stempel im Dienstausweis.
Ihre letzte Pressekonferenz gab sie mit den Worten: "Ich freue mich auf mehr Spontanitaet - zum Beispiel darauf, unangekuendigt in den Sitzungen aufzutauchen." Das wird in der Behoerde sicherlich fuer Aufsehen sorgen. Wer weiss - vielleicht startet sie bald in einer neuen Disziplin: dem "Bundeslaender-Parcours", bei dem man in zehn Minuten zehn Ministerien durchqueren muss, ohne sich zu verirren.
Lisa Hauser jedenfalls wird nicht als Verliererin in Pension gehen. Im Gegenteil: Sie hat bewiesen, dass man auch im Oesterreich des 21. Jahrhunderts noch vom Spitzensport in die Spitzenbehoerde wechseln kann - und dabei seine Ruhe hat.