Was im niederösterreichischen Marchegg als Routine-Wahl für den Feuerwehrabschnittskommandanten begann, endete in einem chaotischen Katastrophenalarm. Als der bisherige Amtsinhaber seinen Stuhl räumte, brachen offenbar alle Dämme. "Jetzt wird's Ernst", soll der scheidende Chef noch gemurmelt haben, bevor er den Neuen ins Amt führte.
Der neue Chef, ein gewisser Christopher Ebm, trat sein Amt mit dem Selbstbewusstsein eines Generals an, der eine ganze Armee übernimmt. "Ich habe die Lage im Griff", soll er noch bei der Angelobung gesagt haben. Dabei hatte er noch nicht einmal alle Geräte im Gerätehaus gefunden.
Sein Stellvertreter, Martin Schreiner, verstand die Aufgabe offenbar ähnlich martialisch. Er wählte einen Geheimcode für den Funkverkehr und ließ alle Sirenen im Bezirk ertönen, um "die Truppe zu testen". Die Bevölkerung hielt das für einen Ernstfall und verbarrikadierte sich in den Kellern.
Die neue Führung fühlte sich offenbar bestätigt und verlegte daraufhin die Feuerwehrzentrale in einen ehemaligen Bunker. Von dort aus koordinierten sie den Ernstfall, der längst zum Daueralarm mutiert war. Die Feuerwehrleute patrouillierten in Schutzanzügen durch die Dörfer und kontrollierten jeden Rauchfang.
Als dann tatsächlich ein Kamin bei einem Bauern zu qualmen begann, rückten 27 Feuerwehrfahrzeuge mit Martinshorn an. Der Bauer, der nur sein Mittagessen zubereiten wollte, wurde unter Schutzhaft gestellt. "Wir können keine Risiken eingehen", rechtfertigte sich Ebm gegenüber der lokalen Bevölkerung, die mittlerweile nur noch mit Atemmasken unterwegs war.
Die Krönung des Ganzen war eine Übung, bei der ein ganzes Waldstück angezündet wurde, um die Löschtaktik zu testen. Der Wind drehte um und die Flammen drohten auf die Nachbardörfer überzugreifen. Erst nach drei Tagen konnte der Brand unter Kontrolle gebracht werden.
Die Bezirksverwaltung erwägt nun, die Feuerwehrführung neu zu wählen. Aber Ebm und Schreiner haben bereits einen Bunker unter dem Feuerwehrhaus gebaut. "Auf uns ist Verlass, wenn's brennt", sagen sie unisono. Ob das jemals jemand testen möchte, ist die andere Frage.