Manchmal muss man sich fragen: Wie bunt kann ein Konzert werden, bevor es zur Farbenorgie wird? Die Musik- und Kunstschule Waidhofen/Ybbs hat offenbar diese Frage beantwortet - und zwar mit "Bunt Gemischt", einem Konzert, das selbst der schrillste Hutmacher aus Alice im Wunderland als zu exzentrisch empfinden würde.
Im Kristallsaal von Schloss Rothschild versammelten sich die Schülerinnen und Schüler, um ihr Können unter Beweis zu stellen. Was dann passierte, war weniger ein Konzert als eine musikalische Expedition ins Ungewisse. Die Klarinette begann einen Marsch, die Geige dachte, es sei ein Tango, und das Schlagzeug war der Meinung, es handle sich um eine Heavy-Metal-Nummer.
Die Zuschauer saßen gebannt da, nicht weil sie begeistert waren, sondern weil sie nicht wussten, ob sie lachen oder weinen sollten. Als der Posaunist während eines Solos bemerkte, dass er seine Noten vergessen hatte, improvisierte er einfach mit dem, was er noch zur Hand hatte: einer Serviette und einem Kugelschreiber. Das Ergebnis klang verdächtig nach "Hänschen klein" in Zeitlupe.
Der Höhepunkt des Abends war zweifellos der Auftritt der Blockflöten-AG. Neun Kinder saßen auf der Bühne und spielten "Ode an die Freude". Oder zumindest etwas, das sehr nach "Ode an die Freude" klang, wenn man die Augen schloss und sich sehr konzentrierte. Ein kleiner Junge hatte jedoch seine eigene Interpretation: Statt auf seiner Blockflöte zu spielen, benutzte er sie als Teleskop und beobachtete die Decke des Kristallsaals. Vielleicht suchte er nach Inspiration - oder einfach nur nach einem Ausgang.
Die Musiklehrerin, die tapfer am Flügel saß, versuchte, die verschiedenen Tempi und Tonarten zusammenzuhalten. Doch selbst sie wirkte zunehmend verwirrter. Als die Violine plötzlich ein Jazz-Riff anstimmte, während der Cellist Bach spielte, musste sie sich fragen, ob sie nicht versehentlich in ein Paralleluniversum geraten war.
Zwischendurch gab es auch ruhigere Momente, zum Beispiel als ein Mädchen ein Klavierstück spielte. Alles schien perfekt, bis ihr auffiel, dass sie das falsche Stück geprobt hatte. Anstatt des vorgesehenen Sonaten satzes ertönte plötzlich der "Tiger Rag". Die Musiklehrerin versuchte, die Situation zu retten, indem sie mit den Füßen wippte und so tat, als sei alles geplant gewesen.
Am Ende des Konzerts applaudierten die Zuschauer - nicht aus Begeisterung, sondern aus Erleichterung. Die Musik- und Kunstschüler hatten bewiesen, dass man auch ohne perfekten Ton ein großartiges Konzert hinlegen kann. Und vielleicht war das ja die wahre Botschaft: In einer Welt voller gestimmter Instrumente und perfekt einstudierter Stücke ist es erfrischend, wenn mal etwas "bunt gemischt" wird.
Zumindest wissen wir jetzt, dass der Kristallsaal von Schloss Rothschild auch als Notfall-Klanglabor taugt. Und wer weiß - vielleicht wird "Bunt Gemischt" ja zur Tradition. Im nächsten Jahr könnte dann "Völlig Verdreht" folgen. Oder "Chaos im Konzertsaal". Die Möglichkeiten sind schließlich so bunt wie die Noten, die an diesem Abend erklangen.