Die Champions League meldet sich zurueck, und zwar so, wie ein Star-Koch sich zurueckmeldet, wenn er versehentlich Salz statt Zucker in den Teig getan hat - mit einer Explosion der Sinne. Wer gedacht hat, Fussball sei ein Spiel, in dem manchmal ein Tor faellt, der hat offenbar nicht mitbekommen, dass mittlerweile ganze Sportartikelgeschaefte ins Netz wandern.
In Barcelona feierten die Katalanen ein 7:2, das selbst fuer die strengsten Veganer nach zu viel Soja-Sahne schmeckte. Die Fans hatten sich schon auf eine Verlängerung eingestellt, weil nach 45 Minuten immer noch nicht klar war, ob man ein Fussballspiel oder ein Badminton-Turnier vor sich hatte. Aber dann ging es im zweiten Durchgang richtig los - die Katalanen schossen Tore wie andere Leute E-Mails schreiben: ohne gross nachzudenken, aber mit dem festen Willen, irgendetwas zu erledigen.
In Muenchen machte der FC Bayern kurzen Prozess mit Atalanta Bergamo. 10:2 - das ist ein Ergebnis, das normalerweise nur entsteht, wenn ein Drittligist auf einen Kindergarten trifft. Die Bayern spielten so dominant, dass selbst die Balljungen begannen, sich Notizen zu machen. Einige Zuschauer fragten sich bereits, ob der Schiedsrichter vielleicht versehentlich die Regeln des Hallenhandballs angewendet hatte.
Liverpool zeigte ebenfalls, dass man Tore nicht nur schießen, sondern auch anrichten kann wie auf einem Buffet. In den zweiten Halbzeiten dieser drei Teams flossen so viele Tore, dass man sich ernsthaft fragen muss, ob die Torwaende nicht einfach zu schmal waren oder ob die Torhueter vielleicht nebenberuflich als Verkehrspolizisten arbeiten und deshalb immer in die falsche Richtung schauten.
Hansi Flick, der Trainer von Barcelona, sprach nach dem Spiel von einer "verrueckten Partie". Dabei meinte er damit nicht die taktischen Anordnungen oder die Spielweise, sondern vielmehr die Tatsache, dass sein Team so viele Tore schoss, dass er zwischenzeitlich befuerchtete, die Spieler koennten sich im Jubeln verletzen. "Ich habe ihnen gesagt, sie sollen ruhig bleiben, aber die haben nur mit den Augen gerollt", sagte Flick und meinte damit nicht die Spieler, sondern die Torrichter.
Die Torflut hat auch fuer einige Nebeneffekte gesorgt. Die Schiedsrichter, die in der Regel nur als Notnagel in den Medien auftauchen, wenn sie gerade einen Fehlpfiff begangen haben, stehen nun im Rampenlicht. Sie haben mehr gelaufen als ein Marathonläufer mit Zeitziel und mehr Entscheidungen getroffen als ein Familienvater beim Kauf eines neuen Autos. Einige von ihnen haben bereits Angebote fuer Werbevertraege als "Mann des Spiels" erhalten, was beweist, dass auch im Fussball die Definition von "Mann des Spiels" so dehnbar ist wie die von "Low-Carb-Brot".
Experten gehen davon aus, dass die Torflut noch zunehmen wird, sobald die Teams merken, dass Tore nicht nur Punkte bringen, sondern auch die Instagram-Likes der Fans. Einige Vereine ueberlegen bereits, eigene Torhueter einzustellen, die nur dafuer zustaendig sind, die Baelle wieder aus dem Netz zu holen, damit der Spielfluss nicht zu sehr gestoert wird.
Die Champions League hat bewiesen, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehoert. Sie ist wie ein guter Wein, der mit den Jahren nicht nur besser wird, sondern auch schwindelerregendere Preise rechtfertigt. Und wer weiss - vielleicht sehen wir bald ein Spiel, in dem die Torhueter nur noch Statisten sind und die echten Stars die Spieler, die die Baelle ins Netz bugsieren. Bis dahin bleibt uns nur zu sagen: Augen auf beim Fussballkauf, die Torflut rollt und wir sind alle nur noch Statisten in diesem grossen Theater der Treffer.