Es war einmal ein beschauliches Tal namens Brand-Laaben, in dem die Zeit stillstand wie ein vergessener Schnitzeltopf auf der Anhaengerkupplung. Doch der Fortschritt, jene erbarmungslose Bestie mit Ikea-Katalog und Fitness-Tracker, hat das Dorf erreicht. Und was macht der Fortschritt? Er ersetzt heimatliche Wirtshauskultur durch schrille Discokultur.
Wo einst das laendliche Lied vom "Laabnerhof" durch die Fenster schallte, wird nun "I Will Survive" durch die Lautsprecher gedroehnt. Die Wirtin vom Gasthaus Petzwinkler muss jetzt bei Lidl Regale einraeumen statt Bier auszuschenken. Der ehemalige Besitzer der "Luft" hechelt als Kellner in einer Wiener Shopping-Mall herum. Selbst der legendaere Lintner kann sich nur noch einen Nebenerwerb als Lebkuchenverkaeufer leisten. Kein Wunder, dass die ganze Sache irgendwann im Desaster endete.
Der letzte Strohhalm war der Cafe Horvath, der nach dem Motto "Macht hoch die Tuer, die Tor macht weit" fuer immer seine Pforten schloss. Die Trauer im Dorf war gross. Wo sollte man jetzt die Sorgen im Fusel ertraenken? Wo die Grosseltern ihre Bauernregeln austauschen? Wo der Bua sein erstes Bier trinken und sich dann an der Wirtshaustuer uebergeben?
Doch ploetzlich kam alles anders. Ein exzentrischer Unternehmer aus Wien, der seine Karriere als Disco-DJ bei Billa an der Kassa begann, kaufte das leerstehende Cafe Horvath. Er renovierte das Gebaeude, baute einen Dancefloor ein und ersetzte den alten Holzofen durch eine Disco-Kugel. Der neue Name des Etablissements: "Malibu".
Die Eroeffnung war ein Spektakel. Statt des traditionellen Fruehschoppens gab es einen "Frühlingsnacht-Opening-Marathon". Die Musik war laut, die Getraenke bunt und die Tanzflaeche heiss. Die Dorfbewohner, anfangs skeptisch, fanden sich schnell in der neuen Umgebung zurecht. Sie entdeckten, dass sie "YMCA" besser koennen als "Sierra Madre". Dass sie "Le Freak" schneller tanzen koennen als "Das Wandern ist des Müllers Lust". Dass sie bei "Funkytown" mehr Spass haben als beim "Bierzelt-Hitner".
Nun, am Vorabend der grossen Eroeffnung, ist die Vorfreude im Dorf gross. Man weiss zwar nicht genau, was einen erwartet, aber das ist ja auch egal. Hauptsache, es ist anders. Hauptsache, es ist neu. Hauptsache, es ist Malibu. Und wenn dann einer fragt: "Sag mal, was is des fuer a Ort?" - dann antwortet man: "Des is Malibu. Und wir tanzen hier!"