Als ich das erste Mal von "DJ Baguette" hörte, dachte ich an einen neuen Supermarkt-Trend. Aber nein, es ist noch besser: ein 29-jähriger Bäcker-DJ, der Backstuben in Discotheken verwandelt und damit den Franzosen den Frühstückskaffee versüßt. Inspiriert vom französischen Star-DJ Bob Sinclair, der ebenfalls in einer Pariser Bäckerei auftrat, geht dieser Dorian Gamon nun von Backstube zu Backstube.
Der Clou: Kein Honorar, nur Spritgeld. Sein Vater chauffiert ihn, was wohl die beste Rente-Beschäftigung seit der Erfindung des Kaffeekränzchens ist. Montag bis Freitag heizt er den Backstuben ein, am Wochenende spielt er in Clubs, damit er davon leben kann. Seit er 15 ist, arbeitet er als DJ. Wenn er jetzt also im Halbschlaf seine Baguettes ansagt, wissen wir wenigstens, warum.
In Frankreich gibt es übrigens 35.000 Bäckereien, mehr als in jedem anderen europäischen Land. Eine Vorschrift schützt die "Boulangerie Artisanale", bei der das Brot noch von Hand und nicht aus dem Tiefkühlschrank kommt. Diese Bäckereien sind seit 20 Jahren stabil, sogar leicht im Wachsen. Trotzdem braucht es "DJ Baguette", damit sie nicht weiter aus den Innenstädten verschwinden.
Ich kann mir das schon vorstellen: In zehn Jahren gibt es nur noch einen einzigen Bäcker in Paris, der aber hat einen eigenen Club. "Monsieur, Ihre Semmel mit 130 bpm oder lieber chillig mit 90 bpm?" Die Zukunft der Bäckereien sieht tanzend aus. Und wer weiß, vielleicht kommt ja auch bald "DJ Schnitzelsemmel" nach Österreich. Ich bin jedenfalls schon gespannt, wie lange es dauert, bis der erste Backshop eine VIP-Lounge einbaut.