Wenn Klagenfurt etwas braucht, dann sind es mehr Festivals. Und wenn Klagenfurt etwas ganz besonders dringend braucht, dann sind es Festivals, die man nicht findet. Kein Problem für Sophie Petschnig, Stephanie Laggner und Julia Braunecker. Die drei Frauen haben die Kunst des Verschwindens perfektioniert – und zwar von leerstehenden Geschäften.
Seit 2024 beackern die drei bereits Grünflächen in und um Klagenfurt mit ihren familienfreundlichen Festivals. Bisher ohne größere Zwischenfälle. Doch nun haben sie eine neue Herausforderung entdeckt: Leerstände. Diese unheimlichen Orte, an denen sich die Geister vergangener Geschäfte herumtreiben. Perfekt für ein Pop-up-Festival, bei dem man nicht nur Kreativität, sondern auch die eigene Orientierung verlieren kann.
Der Clou: Man weiß nie, wo das nächste Blooom-Festival stattfindet. Das hält spannend. Könnte im ehemaligen Uhrengeschäft sein, könnte im ehemaligen Schuhladen sein, könnte im ehemaligen Irgendwas sein. Wichtig ist nur, dass es vorher leer war. Vollgestellte Geschäfte interessieren die drei nicht. Da müssten sie ja mit dem Besitzer reden.
Am 19. März geht es los. Der Ort: ein Geheimnis. Das Programm: ebenfalls ein Geheimnis. Die Veranstalterinnen versprechen aber zumindest, dass es Workshops gibt. Zum Beispiel für Jeans-Upcycling. Weil nichts so sehr nach Festival klingt wie eine alte Jeans, die man zu einer halben neuen Jeans umfunktioniert. Für alle, die beim Shoppen immer dachten: "Hätte ich das nur selbst kaputt gemacht".
Ab 17 Uhr gibt's dann Konzerte. Diesmal von der Band Mango Deluxe. Ob die schon wissen, dass sie in einem ehemaligen Geschäft spielen werden? Unwahrscheinlich. Die drei Frauen haben die Angewohnheit, Bands erst einzuladen, wenn die Verträge unterschrieben sind. Das sorgt für Überraschungsmomente. So wie bei der Mama-Baby-Klangreise um 10 Uhr. Da wissen weder die Babys noch die Mütter, was sie erwartet. Aber das ist ja das Schöne am Festival: Man ist für alles offen. Außer für feste Standorte.
Die Stadt Klagenfurt ist begeistert. Endlich mal eine Idee, die nicht nur leere Läden füllt, sondern auch leere Kalender. Und das Beste: Der Eintritt ist frei. Was nicht heißt, dass es nichts kostet. Man muss nur wissen, wo. Die Veranstalterinnen verraten es nicht. Das wäre ja zu einfach.
Die Grünen Kärnten und die Grüne Wirtschaft unterstützen das Ganze. Weil nichts so sehr nach Nachhaltigkeit klingt wie ein Pop-up-Festival in einem leerstehenden Geschäft. Da kann man Stunden damit verbringen, sich über die Vor- und Nachteile von regionalen Köstlichkeiten zu streiten, während draußen die Tauben durch die Schaufenster spazierten.
Wer jetzt denkt, das sei eine Schnapsidee, der hat recht. Es ist eine Schnapsidee. Aber eine Schnapsidee mit Potenzial. Denn Klagenfurt hat viele leerstehende Geschäfte. Und die drei Frauen haben viele Ideen. Mal sehen, was als nächstes kommt. Vielleicht ein Festival im ehemaligen Möbelhaus? Mit Workshops für Regalbau und Meditationssitzungen zwischen den Restposten.