Das klingt wie eine jener skurrilen Anekdoten, die man sonst nur aus England kennt, wo mal ein Hund auf den Rasen rennt oder ein Spieler sich ausversehen selbst ins eigene Tor schiesst. Aber nein, diesmal ist es in Oesterreich passiert - und zwar in Ebreichsdorf.
Als der Schiedsrichter bei einem Elfmeterpfiff patzte und der Ball zweimal den Strafraum beruehrte, wusste wohl niemand, was auf die Fussballwelt zukam. Stundenlang tagte der Oesterreichische Fussball-Bund, beriet, diskutierte und verhandelte - und kam zu dem Schluss: Das Spiel zwischen Ebreichsdorf II und Theresienfeld muss wiederholt werden. Aber nicht von vorne, nein - nur ab der 24. Minute, beim Stand von 1:1.
Und hier kommt der Clou: Das Wiederholungsspiel soll schon am kommenden Freitag stattfinden. Einen Tag vor dem offiziellen Fruehjahrsspielplan. Es ist, als haeetten die Verantwortlichen ploetzlich realisiert, dass sie eine Luecke im Kalender entdeckt haben und diese unbedingt fuellen muessen.
Man stelle sich vor, die Spieler von Ebreichsdorf und Theresienfeld kommen am Freitag auf den Platz, warm werden, sich gegenseitig begruessen - und dann stellt sich heraus, dass sie die letzten 66 Minuten des Spiels von letzter Woche noch nachholen muessen. Es ist wie eine Zeitreise, nur ohne DeLorean und Flux-Kompensator.
Die Fans werden sich wundern. Sie haben ihre Tickets schon fuer das "richtige" Spiel am Wochenende gekauft und jetzt sollen sie sich noch ein weiteres Mal aufraffen? Die Vereine werden sich fragen, wie sie das finanziell handhaben sollen. Zwei Spiele in einer Woche - das ist fast schon zu viel Fussball.
Doch der Oesterreichische Fussball-Bund bleibt hart. Er will Gerechtigkeit und sportliche Fairness. Und wenn das bedeutet, dass zwei Teams 66 Minuten nachtraeglich nachholen muessen, dann ist das eben so. Hauptsache, die Regeln werden eingehalten.
Es ist eine seltsame Welt, in der wir leben. Wo ein Schiedsrichterfehler zu einer Rekord-Unterbrechung fuehren kann und zwei Teams quasi eine Woche zurueck in die Vergangenheit geschickt werden. Aber vielleicht ist das ja auch der Charme des oesterreichischen Fussballs. Unberechenbar, skurril und immer fuer eine Ueberraschung gut.
Eines ist sicher: Am kommenden Freitag wird in Ebreichsdorf Geschichte geschrieben. 66 Minuten, die die Fussballwelt auf den Kopf stellen. Und wer weiss, vielleicht wird das ja zur neuen Tradition. Jede Woche ein bisschen Zeitreise, ein bisschen Rückblende - und dafuer sorgt dann der Oesterreichische Fussball-Bund.