Als die Heidi-Horten-Arena an diesem denkwürdigen Abend die Lichter einschaltete, ahnten die 4.400 Zuschauer wohl noch nicht, dass sie Zeuge einer sportlichen Tragikomödie werden sollten. Der KAC, frisch motiviert nach der Sommerpause, schien die Botschaft "Wir zeigen den Ungarn mal, wo der Puck hängt" etwas zu wörtlich genommen zu haben.
Bereits nach 19 Sekunden klingelte es im Kasten der Gäste - eine blitzschnelle Führung, die die Fans zu wildem Jubel hinriss. Doch was folgte, war weniger ein Eishockeyspiel als eine Art Ping-Pong-Duell mit deutlich weniger Athletik. Die Klagenfurter marschierten im Drei-Minuten-Takt nach vorne, als hätten sie eine Art Punkt-Roulette im Sinn, bei dem es gilt, möglichst oft in Führung zu gehen, ohne diese je zu behaupten.
Die Ungarn von Fehervar, denen man eine gewisse Strategie unterstellen könnte, zeigten sich als dankbare Tanzpartner in diesem defensiven Walzer. Drei Mal gelang es ihnen, die KAC-Abwehr auszutänzeln und den Ausgleich zu erzielen - jedes Mal so unbehelligt, als würden sie durch ein leeres Hallenbad schwimmen statt durch ein volles Eisfeld.
Besonders bemerkenswert war das mangelnde Zusammenspiel in der Klagenfurter Hintermannschaft. Man hatte den Eindruck, als hätten sich die Verteidiger vor dem Spiel darauf geeinigt, ihre Positionen nach dem Zufallsprinzip zu wechseln. Mal stand der Torwart wie ein einsamer Wachposten in seinem Kasten, mal bildete die komplette Defensive eine Linie, die selbst einem gut gelaunten Schiedsrichter Raum zum Durchmarschieren gelassen hätte.
Die Fans, zwischen Euphorie und Verzweiflung pendelnd, dürften sich gefragt haben, ob sie nicht versehentlich ein Training der Torwartschule besuchten. Denn was die beiden Goalies an Schüssen zu sehen bekamen, hätte man getrost als "Einladung zum Tore schießen" bezeichnen können.
Am Ende stand ein Spielresultat, das die Statistiker vor Freude und die Trainer vor Trauer weinen ließ. Ein Spektakel, das man wohl nur als "offensiv orientiertes Chaos" beschreiben kann - wobei die Offensive eindeutig die bessere Figur machte. Die Klagenfurter haben damit bewiesen, dass sie durchaus in der Lage sind, Tore zu schießen, auch wenn sie dabei offenbar das Abwehrverhalten komplett vergaßen.
Ein denkwürdiger Abend für alle Beteiligten - und ein Lehrstück dafür, dass im Eishockey nicht nur das Tore schießen zählt, sondern auch das Tore verhindern eine gewisse Rolle spielen könnte.