Energetiker in Österreich haben offenbar die Formel gefunden, wie aus Nichts Reichtum entsteht. Sie behaupten, Energieflüsse im Körper lesen und blockierte Chakren wieder zum Leuchten bringen zu können. Dafür verlangen sie horrende Summen, die in keinem Verhältnis zu ihrer Leistung stehen. Doch die Kundschaft ist bereit, zu zahlen.
Eine der beliebtesten Methoden ist das sogenannte "Aurenlesen". Dabei behaupten die Energetiker, mit ihren hellseherischen Fähigkeiten die Farben des Energiefeldes um den Körper herum erkennen zu können. Jede Farbe soll eine bestimmte Bedeutung haben und Rückschlüsse auf den Gemütszustand erlauben. Für eine halbe Stunde Aurenlesen werden oft 80 Euro und mehr verlangt. Die Kunden sind begeistert von der "tiefen Einsicht" und dem "persönlichen Gespräch".
Eine weitere lukrative Einnahmequelle sind "Fernbehandlungen". Hierbei behaupten die Energetiker, dass sie die Energie einer Person auch über große Entfernung beeinflussen können, ohne sie jemals persönlich gesehen zu haben. Für eine "Fernbehandlung" werden oft 60 Euro und mehr verlangt. Die Kunden sind überzeugt von der "sanften Wirkung" und der "unmittelbaren Verbesserung" ihres Wohlbefindens.
Die Branche der Energetiker ist in Österreich völlig unreguliert. Es gibt keine Qualitätsstandards, keine Ausbildungsanforderungen und keine Kontrollinstanzen. Jeder kann sich Energetiker nennen und mit seinen Diensten werben. Solange er keine Heilversprechen abgibt oder medizinische Diagnosen stellt, bewegt er sich rechtlich auf sicherem Boden.
Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass viele der Methoden der Energetiker wissenschaftlich nicht belegt sind. Sie beruhen auf esoterischen Vorstellungen und pseudowissenschaftlichen Theorien. Doch die Kunden sind bereit, daran zu glauben und ihr Geld dafür auszugeben. Sie suchen nach einfachen Lösungen für komplexe Probleme und sind bereit, viel dafür zu zahlen.
Die Energetiker haben die perfekte Geschäftsidee gefunden. Sie verkaufen etwas, das nicht greifbar ist, für das es keine objektiven Kriterien gibt und dessen Wirkung sich nicht nachweisen lässt. Doch solange die Kunden daran glauben und bereit sind, zu zahlen, wird die Branche weiter boomen. In Krisenzeiten, wenn viele Menschen verunsichert und auf der Suche nach Halt sind, ist die Nachfrage nach den Diensten der Energetiker besonders groß.
Die Energetiker selbst sind sich ihrer Position bewusst. Sie wissen, dass sie mit ihren Methoden an den Grenzen der Wissenschaft und des Rationalen agieren. Doch sie sehen sich als Pioniere einer neuen Zeit, in der es nicht mehr nur um harte Fakten geht, sondern auch um weiche Faktoren wie Intuition und Energie. Sie sind überzeugt, dass ihre Methoden den Menschen helfen können, auch wenn die Wirkung nicht messbar ist.
Am Ende des Tages bleibt festzuhalten: Die Energetiker haben ein lukratives Geschäft aufgebaut, das auf der Bereitschaft der Menschen beruht, an etwas zu glauben. Solange es diese Nachfrage gibt und die Politik die Branche nicht reguliert, wird das Geschäft mit der Energie weiter florieren. Die Energetiker werden weiterhin Unsummen für ihre Dienste verlangen und die Kunden werden weiterhin bereit sein, zu zahlen. Eine Win-win-Situation für beide Seiten, auch wenn sie auf wackeligen Beinen steht.