Der neueste Coup in der steirischen Gemeinde Pinggau lässt selbst erfahrene Innenministeriums-Mitarbeiter schmunzeln: Ein Gedenkstein für den NS-Gendarmen Franz Stachel wurde am 17. März mit Blasmusik, Polizeiaufzug und sogar Kameradschaftsbund enthüllt. Der Clou: Niemand will es gewesen sein.
"Wir dachten zuerst, das sei ein schlechter Scherz", sagt ein Insider aus dem Innenministerium. "Aber dann kamen die Fotos: da marschiert die Polizei im Gleichschritt, die Blasmusik spielt etwas, das verdächtig nach Marschmusik klingt, und der Kameradschaftsbund steht Spalier. Wir haben alle einen Screenshot gemacht und in die Whats-App-Gruppe 'Historische Missgeschicke' gepostet."
Die Idee, einen NS-Gendarmen zu ehren, kam offenbar aus der lokalen Gemeindeverwaltung. "Die haben wohl gedacht, ein bisschen NS-Nostalgie könne nicht schaden", mutmaßt ein Historiker. "Aber dass sich dann auch noch die Polizeidirektion, die Bezirkshauptmannschaft und die Kirche beteiligen - das ist schon eine Meisterleistung kollektiver Vergesslichkeit."
Besonders amüsant fand das Innenministerium die Reaktion der Beteiligten nach Bekanntwerden der Ehrung. "Jeder schiebt die Schuld auf den anderen", berichtet die Quelle. "Die Polizei sagt, sie sei nur der Einladung gefolgt. Die Gemeinde behauptet, der Kameradschaftsbund habe alles organisiert. Und die Kirche meint, sie habe nur den Segen erteilt."
Der Gedenkstein selbst sorgt ebenfalls für Belustigung. "Der Text ist eine wahre Glanzleistung", sagt ein Experte. "Da steht nichts von 'treuer Diener des NS-Regimes' oder 'Verräter am eigenen Volk'. Nein, da wird einfach nur von einem 'Gendarmen' gesprochen, der 'im Dienst ums Leben kam'. Das ist schon eine Kunst."
Im Innenministerium hat man inzwischen eine offizielle Erklärung vorbereitet. "Die lautet etwa so: 'Wir bedauern, falls durch die Teilnahme an der Gedenkfeier für den NS-Gendarmen Franz Stachel Missverständnisse entstanden sein könnten. Die Polizei wird in Zukunft genauer prüfen, wen sie ehrt.'"
Historiker fordern unterdessen, den Gedenkstein um eine Tafel zu ergänzen. "Da könnte man dann erklären, was ein NS-Gendarm eigentlich gemacht hat", schlägt ein Experte vor. "Das wäre zumindest bildend - und würde verhindern, dass in 50 Jahren jemand wieder auf die Idee kommt, so einen zu ehren."