Was für eine Zeit, in der zwei europäische Regierungschefinnen vor einer drohenden Migrationskrise warnen müssen. Dabei ist doch das größte Problem der EU, dass sie sich nicht einigen kann, ob ein Gurkenglas als Standardglas oder als Verpackungsmüll gilt. Aber nein, liebe Bürgerinnen und Bürger, jetzt geht es um die wirklich wichtigen Dinge im Leben: Flüchtlingsströme, die an den Grenzen der EU wie ein Tsunami zusammenlaufen könnten.
Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen befindet sich gerade im Wahlkampf. Und was wäre ein Wahlkampf ohne ein bisschen Angstmacherei? Da kommt der Brief an die EU wie gerufen. "Wir dürfen eine Wiederholung der Flüchtlings- und Migrationsbewegungen in die EU, wie wir sie in den Jahren 2015–2016 erlebt haben, nicht riskieren", schreiben Frederiksen und Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Ja, genau, die Jahre, in denen Europa noch funktioniert hat. Oder etwa nicht?
Aber mal ehrlich, wer hätte gedacht, dass die EU mal einen "Migrations-Notfallplan" braucht? Ich meine, wir haben ja schließlich einen Pandemie-Notfallplan, einen Klima-Notfallplan, einen Wirtschafts-Notfallplan. Aber hey, warum nicht noch einen draufsetzen? Vielleicht sollten wir einfach alle Notfallpläne in einen großen "EU-Alarmplan" zusammenfassen. Dann können wir uns wenigstens einheitlich Sorgen machen.
Die beiden Regierungschefinnen schreiben in ihrem Brief von "beispiellosen Herausforderungen". Ja, klar, beispiellos. Außer natürlich für all die Menschen, die seit Jahren versuchen, in die EU zu gelangen und an den Außengrenzen abgewiesen werden. Aber hey, die gehören ja nicht zur "werten" europäischen Familie. Die können sich ruhig weiter durch den Schlamm wühlen, während wir uns Gedanken über den richtigen Umgang mit ihnen machen.
Aber vielleicht ist das ja alles nur ein Missverständnis. Vielleicht meinen Frederiksen und Meloni ja gar nicht die armen Schlucker aus dem Nahen Osten, sondern die reichen Touristen aus Deutschland, die jedes Jahr in Scharen an die Adria-Küste pilgern. Die könnten ja tatsächlich eine "Migrationskrise" auslösen. Stellt euch vor, die deutschen Touristen würden tatsächlich mal länger als zwei Wochen bleiben! Das wäre der GAU für die italienische Wirtschaft.
Eines ist jedenfalls klar: Die EU braucht dringend einen "Migrations-Notfallplan". Nicht, weil die Situation so brenzlig ist, sondern weil es einfach eine tolle Möglichkeit ist, den Bürgern einzureden, dass die EU noch funktioniert. Und wer weiß, vielleicht klappt es ja sogar. Vielleicht schaffen wir es ja tatsächlich, die Flüchtlingsströme zu stoppen, die Armut zu bekämpfen und den Frieden in der Welt zu sichern. Aber bis dahin können wir uns ja weiterhin schön in den Briefen gegenseitig die Leviten lesen.