Es ist die kulinarische Demokratie in ihrer reinsten Form: 20.000 Menschen, die vermutlich glauben, dass "Blanquette de Veau" eine neue Yoga-Uebung ist, bewerten Restaurants, als waeren sie Gordon Ramsay persoenlich. Das Ergebnis ist so ehrlich wie ein Diätversprechen am Montagmorgen.
Die Region kann sich "einmal mehr sehen lassen" - zumindest auf den Fotos der Siegerrestaurants. In Wahrheit hat sich wahrscheinlich nur die Zahl der Instagram-tauglichen Speisekarten erhoeht. Man kennt das: Ein Teller, der aussieht wie eine Miniatur-Skulptur, kostet so viel wie ein Kleinwagen und schmeckt nach Nichts mit einer Beilage von Selbstueberschaetzung.
Die 20.000 registrierten Gourmetclub-Mitglieder haben ihre Stimme abgegeben - was in der Gastronomie-Szene bedeutet, dass sie ihre Kreditkarten gezückt und dann eine Stunde lang ueber die Portionen gemeckert haben. Denn nichts sagt "Feinschmecker" so sehr wie jemand, der einen Fünf-Gaenge-Menue bestellt und danach fragt, wo der Rest vom Huhn ist.
Es ist ein schöner Kreislauf: Die Restaurants kochen, die Gaeste bewerten, die Restaurants verbessern, die Gaeste finden etwas anderes zu meckern. Es ist wie ein Tanz, bei dem beide Partner darauf warten, dass der andere einen Fehler macht, damit sie sagen koennen: "Siehst du? Das haette ich besser gemacht."
Die wirkliche Frage ist: Was passiert, wenn diese 20.000 Gaeste irgendwann merken, dass sie die Macht haben? Werden sie anfangen, Speisekarten zu diktieren? "Lieber Koch, ich finde, dein Risotto braucht mehr Parmesan und weniger Seele. Und naechstes Mal bitte ohne dieses elitäre Safran-Zeug - bei mir zu Hause nehmen wir Maggi."
Wir sollten diesen Moment der kulinarischen Demokratie feiern - bevor die Gaeste anfangen, ihre eigenen Restaurants zu eroeffnen und uns allen zu beweisen, dass das einzige, was sie wirklich koennen, das Meckern ist.