Das war wohl nichts mit dem grossen Einsatz in Kleinzell. Das, was als Routine-Feuer mit der üblichen Alarmierungskaskade begann, endete als peinliches Amtshilfe-Debakel. Denn als die zehn Wehren samt Sonderfahrzeugen und Wechselklamotten angerückt kamen, standen sie vor einem Problem: Das Feuer war schon aus. Aus. Vorbei. Erledigt. Von einem Hausbesitzer mit Gartenschlauch und einem aufgerollten Handtuch. Dabei war die Lage noch gar nicht so brenzlig, wie sie die Brandmeldeanlage der Nachbarpfarre signalisiert hatte.
Die ersten Einsatzkräfte aus Kleinzell trafen auf einen Mann, der mit leicht verrauchten Augenbrauen, aber durchaus siegesgewisser Miene die Flammen mit dem Wasserschlauch niedergekämpft hatte. "War ja nur die Holzfassade", sagte er. "Ein bisschen Anmachholz, das übel gelaunt wurde." Die Feuerwehrleute aus den umliegenden Ortschaften mussten sich dann anhören, dass sie "abbestellt" seien. Nicht etwa verlegen nach Hause geschickt, nein - abbestellt. Wie eine Pizza, die nicht mehr warm wird. "Wir konnten eh nichts mehr retten", sagte der Einsatzleiter und grinste ein bisschen zu breit.
Dennoch: Weil die gute Zusammenarbeit der Feuerwehren gestört werden darf, entschied man sich für eine symbolische Kontrolle. Mit der Wärmebildkamera. Ein Gerät, das normalerweise für die Suche nach Glutnestern und vermissten Katzen gedacht ist, wurde nun auf den noch rauchenden Hausgiebel gerichtet. Das Ergebnis: Das Holz war etwas wärmer als die Umgebung. Viel mehr nicht. "Könnte ein Brandherd sein", sagte jemand, woraufhin ein anderer entgegnete: "Oder einfach nur Holz."
Die Entlüftung des Wintergartens wurde dann zur Farce. Denn der Hausbesitzer hatte den Rauch schon mit einem Ventilator aus dem Raum geblasen und ein Duftkerze angezündet. "Damit der Brandgeruch nicht zu sehr auffällt", sagte er. Die Feuerwehrleute nickten verständnisvoll und schrieben auf, dass der Wintergarten "entlüftet" wurde. Das Protokoll sollte ja nicht ganz leer ausgehen.
Verletzt wurde niemand - ausser vielleicht das Ego der Feuerwehren. Die hatten sich auf einen Grosseinsatz gefreut, auf Sirenengeheul, Schaumteppiche und heldenhafte Sprüche. Stattdessen gab es lauwarmen Kaffee aus dem Gerätewagen und die Feststellung, dass man mit fünf Wehren zu viel angefahren war. Die anderen fünf hatten noch gar nicht erst loslegen können und standen jetzt mit blinkenden Blaulichtern im Ortseingang und fragten sich, ob sie falsch abgebogen waren.
Der Hausbesitzer bot danach noch eine Jause an. Würstchen vom Grill, selbstgemachte Limonade, ein wenig Lagerfeuer-Romantik. Die Feuerwehrmänner nahmen an, lachten verlegen und fragten sich insgeheim, ob sie nicht doch noch einmal wiederkommen sollten - falls das Feuer ja doch noch einmal aufflammt. Aber nein. Der Grill blieb kalt. Die Fassade war gerettet. Und die Wärmebildkamera zeigte: alles im grünen Bereich. Bis auf das Ego. Das war etwas angeröstet.