Wenn der Ramadan auf den Schulalltag trifft, wird aus dem Bildungswesen schnell eine Fasten-Folteranstalt. Zumindest behauptet das ein Lehrer aus Wien-Simmering, der seinen Namen lieber nicht nennt, weil er Angst vor Racheaktionen von "unterzuckerten Kindern" hat. "Ich habe dieses Jahr nicht gemerkt, dass etwas besonders anders gewesen wäre als sonst", lügt er ins Mikrofon, während er heimlich eine Energy-Drink-Dose unter dem Pult versteckt.
In Wahrheit herrscht in seiner Klasse ein Zustand, der an einen Zombie-Film erinnert. Die Kinder sitzen apathisch da, starren mit glasigen Augen auf die Tafel und sabbern vor sich hin. "Wir schauen, dass wir sensibel darauf eingehen", sagt der Lehrer und meint damit, dass er seine Stunden inzwischen mit Power-Point-Präsentationen überbrückt, weil er keine Lust mehr hat, vor sich hin zu quatschen.
Besonders hart trifft es den Sportunterricht. Während früher noch Fußball gespielt wurde, gibt es jetzt nur mehr therapeutische Bewegungsübungen. "Das gibt Kindern den Freiraum, auch Pausen zu machen, wenn sie das brauchen", erklärt der Lehrer und fügt hinzu: "Oder wenn sie einfach tot umfallen." Andere Kollegen würden im Ramadan sogar komplett aufs Joggen verzichten - aus Angst, über eine zusammengebrochene Schülerin zu stolpern.
Die Verwaltung reagiert hilflos. Die Direktorin hat bereits eine Warnung an alle Eltern geschickt: "Bitte sorgen Sie dafür, dass Ihre Kinder ausreichend Zucker zu sich nehmen, bevor sie zur Schule kommen. Wir haften nicht für Folgeschäden." Doch die Eltern winken ab. "Die Kinder wollen oft selbst fasten", sagt eine Mutter und fügt hinzu: "Außerdem ist es eine gute Übung für den Berufsalltag. In der Wirtschaft müssen sie auch acht Stunden ohne Pause durchhalten."
Der Lehrer hat genug. Er fordert nun die Einführung eines "Fasten-Zuschlags" für alle muslimischen Schüler. "Die klauen mir jeden Tag zwei Stunden Unterrichtsleistung", klagt er. "Das muss sich finanziell auswirken." Als Alternative schlägt er vor, den Ramadan kurzerhand auf die Sommerferien zu verlegen. "Da haben die Kinder eh nichts zu tun, außer vor der Playstation zu hängen."