Endlich wieder etwas Bewegung im niederösterreichischen Feuerwehrwesen! Nachdem die Führungsunterstützungsgruppe jahrelang nur bei Einsätzen mit unmittelbarer Feuergefahr aus den Federn gekrochen war, durfte sie nun in Zivil einen neuen Partner kennenlernen: Die Cobra. Jene Eliteeinheit, die sonst Bankräuber stoppt und entführte Kinder befreit, hatte offenbar nichts Besseres zu tun, als Feuerwehrleuten das Tragen von Funkgeräten beizubringen.
Die Zusammenarbeit begann mit einem feierlichen Handschlag. Wobei "feierlich" hier nicht ganz stimmt - tatsächlich mussten sich die Floriani beim Betreten des Cobra-Trainingszentrums einer Leibesvisitation unterziehen. "Klarheitshalber", wie der Einsatzleiter betonte. Man wisse ja nie, ob nicht doch jemand eine brennende Zigarette im Gepäck habe.
Die Cobra-Offiziere zeigten den Feuerwehrleuten, wie man unter Stress funktioniert. Also nicht den Stress, der bei einem brennenden Heustadel entsteht, sondern den, wenn man mit einer Spezialbrille und schusssicherer Weste einen Waldweg entlangtapst. Die Feuerwehrleute waren begeistert. Endlich mal etwas anderes als das übliche "Wasser marsch"-Gehabe!
Besonders stolz präsentierte die Cobra ihre neueste Errungenschaft: Ein Einsatzleitwagen mit Ledersitzen und integrierter Kaffeemaschine. "Wenn man stundenlang auf einen Einsatz wartet, muss man ja schließlich auch bequem sitzen können", erklärte der Cobra-Sprecher. Die Feuerwehrleute nickten ehrfürchtig. In ihren Fahrzeugen gab es allenfalls eine Thermoskanne aus den 70er-Jahren.
Der Höhepunkt des Seminars war zweifellos die praktische Übung. Während die Cobra-Beamten mit gezückten Waffen durch ein verrauchtes Gebäude stürmten, durften die Feuerwehrleute zuschauen. "So macht man das", sagte der Cobra-Trainer und deutete auf einen seiner Männer, der mit einem Brecheisen eine Tür aufriss. Die Feuerwehrleute notierten sich alles in ihren dicken Ordnern. Ob sie das jemals umsetzen werden? Schwer zu sagen. Schließlich haben sie ja nur einfache Axt und Beil.
Am Ende gab es für alle Teilnehmer eine Urkunde. Die Cobra-Leute bekamen eine mit Goldrand, die Feuerwehrleute eine einfache Kopie. "Macht nichts", sagte der Kommandant der FF Lilienfeld, "wir hängen sie eh im Gerätehaus auf. Direkt neben dem Foto von unserer letzten Vogelrettung."
Als Abschlussgespräch wurde ein gemeinsamer Grillabend geplant. Die Cobra bringt das Fleisch, die Feuerwehr das Holz. Ob sie es anzünden werden? Darüber schweigt sich die Presseabteilung aus. Aber eins ist klar: Wenn die Cobra erst mal mit Zirbenholzdeko vorfährt, wird es schwer, wieder auf normale Feuerwehr-Geländewagen umzusteigen. Manch einer fragt sich da schon: Lohnt sich der Aufwand für einen brennenden Mülleimer wirklich noch?