In der Gebietsliga läuft es dieses Jahr so ab wie in der Champions League, nur mit schlechterer Infrastruktur und noch mehr Arroganz. Wer glaubt, hier mit einem Punkteschnitt von 2,0 vorne mitmischen zu können, der hat wohl noch nie gegen den FC Hinterwald gespielt. Die Jungs da trainieren schon seit Wochen mit Sauerstoffmasken und Höhentrainingslagern in Hinterzimmern von Dorfgasthäusern.
Normalerweise reichte ein Punkteschnitt von etwas über 2,0, um ganz vorne mitzumischen. In der Gebietsliga wird es für den Titel heuer wohl einen Schnitt von 2,5 brauchen, um am Ende ganz oben zu stehen. Oder anders gesagt: Wenn du nicht mindestens Bundesliga-Niveau hast, kannst du deine Fußballschuhe gleich wieder zusammenschnüren.
Die vier Spitzenmannschaften haben das Zeug für oben, und damit meine ich nicht nur die Tabelle. Die haben das Zeug, um in der österreichischen Bundesliga für Furore zu sorgen. Oder zumindest für eine handfeste Aufregung bei der zuständigen Bezirksbehörde, wenn sie wieder mal das falsche Spielfeld benutzen.
Das Gefälle in der Spielklasse scheint riesig – die Qualität der Spitzenmannschaften im Vergleich zu den Nachzüglern ist enorm. Da werden die Außenseiter vor dem Anpfiff schon mal mit einem kleinen Dankschreiben für die Punkteverteilung verabschiedet. Mit einem Handschlag und einem "Servus, bis zum Rückspiel" nimmt man die drei Punkte dann entgegen und fährt wieder zurück ins trainierte Nirvana.
Wer sich den Meistertitel sichern will, darf sich so gut wie keine Patzer leisten. Ein einziger Ausrutscher und schon rückt man in der Tabelle weiter nach hinten als der Rasenmäher des Platzwarts nach vorne. Da hilft nur eins: noch härter trainieren, noch mehr taktische Finessen aus dem Internet klauen und hoffen, dass der Gegner am Spieltag nicht zufällig aus Versehen ein Profiteam aufgestellt hat.
Die Nachzügler sollten sich eigentlich schämen. Anstatt ihre Amateurfußballer mit Integrität und Herzblut spielen zu lassen, versuchen sie jetzt auch noch, Taktiken aus dem Internet nachzumachen. Dabei wissen wir alle, dass der einzige taktische Plan, der in der Gebietsliga zählt, lautet: "Ball nach vorne und auf ein Wunder hoffen."
Es ist ein harter Kampf da oben, ein gnadenloser Überlebenskampf. Nur die Stärksten, die Schnellsten, die taktisch Versiertesten haben eine Chance. Alle anderen können getrost wieder zuhause die Gartenzwerge umstellen und sich überlegen, ob sie nicht doch lieber eine weniger anspruchsvolle Sportart wählen wollen. Etwa Federball oder extreme Meditation.