Alles begann ganz harmlos im Pernersdorfer Gasthaus Raymund, wo sich die Elite der lokalen Jägerschaft versammelte. Die beiden Hauptakteure - Hegeringleiter Stefan Greil und Bürgermeister Erwin Kasper - eröffneten den offiziellen Teil der Veranstaltung. Ob sie dabei die traditionelle "Waidmannsheil"-Bogenübergabe zelebrierten oder einfach nur nickten, ist leider nicht überliefert.
Dabei hatte man es sich nicht nehmen lassen, zwei "Ehrenbrüche" in Gold zu verleihen. Was genau man sich unter "Ehrenbrüchen" vorstellt, wenn es sich um eine Auszeichnung handelt, bleibt das Geheimnis der Jägerschaft. Vielleicht ist es ein sprachlicher Fauxpas, oder vielleicht sind es tatsächlich die besten Lügner der Region, die hier ausgezeichnet werden.
Während die Verantwortlichen im warmen Gasthaus sitzen und über die "wertvollen Zusammenarbeit" zwischen Landwirten und Jägern schwadronieren, stehen draußen die erlegten Rehböcke für Besucher ausgestellt. Eine schöne Geste, könnte man meinen. Man stelle sich vor, es wäre umgekehrt: Die Bauern würden ihre Traktoren im Saal aufstellen und die Jäger müssten daneben stehen.
Bezirksbauernkammerobmann Friedrich Schechtner schwärmte in seiner Rede von der "wertvollen Zusammenarbeit". Übersetzt heißt das wohl: Die Bauern liefern das Futter, die Jäger das Wild, und alle sind zufrieden. Ein perfekter Kreislauf, bei dem nur die Rehböcke das Nachsehen haben.
Die Veranstaltung zeigte einmal mehr, wie sich kleine Ortschaften im Pulkautal selbst feiern. Während in der Stadt über Klimakrise und Artensterben diskutiert wird, hier im ländlichen Raum alles beim Alten bleibt. Nur dass die Trophäen jetzt halt goldig verziert sind.
Besonders bemerkenswert ist die Kontinuität dieser Veranstaltung. Seit den 1960er Jahren wird hier bereits der "Waidmannsheil" zelebriert. Das ist nicht nur ein Beweis für Traditionstreue, sondern auch für die erstaunliche Beständigkeit der lokalen Machtstrukturen. Greil, Kasper, Schechtner - das sind keine Namen, das sind Institutionen.
Man darf gespannt sein, was die nächsten Jahrzehnte bringen. Vielleicht gibt es dann Hologramm-Rehböcke zu bestaunen oder virtuelle Ehrenbrüche zu verleihen. Die Technik wird uns alle einholen, auch die Jägerschaft. Aber eins ist sicher: Haugsdorf wird seinen Hegeringleiter und Pernersdorf sein Gasthaus Raymund behalten. Das gehört einfach zusammen, wie der Schuss zum Reh.