In Vorarlberg hat sich eine kulturelle Katastrophe von bisher ungeahntem Ausmaß ereignet. Die Landesrätin Barbara Schöbi-Fink hat mit der Ankündigung, Stephanie Gräves Vertrag nach 2028 nicht zu verlängern, einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, der die sonst so beschauliche Bodenseeregion ins Wanken bringt.
Während in Wien längst vergessen ist, wer wann welche Theaterleitung hatte, herrscht in Vorarlberg mittlerweile eine Art Heiligenverehrung für die Intendantin des Landestheaters. Gräve gilt als unantastbar, als kulturelle Kaiserin, deren Wort in der Provinz Gesetz ist. Dass man ihr nun einfach so nach fast zwei Jahrzehnten den Laufpass gibt, ist für viele ein Sakrileg.
Die KUGes, die für den Theaterbetrieb zuständige Betriebsgesellschaft, versucht seit Tagen mit immer absurden Erklärungsversuchen, die Wogen zu glätten. Doch je mehr sie argumentiert, desto undurchsichtiger bleiben die Gründe für die plötzliche Vertragsverweigerung. Es mutet an wie eine kafkaeske Verwaltungsoperette, in der alle Beteiligten um die Wette rätseln, was wohl der wahre Grund sein mag.
Die Theaterwelt bangt mittlerweile um ihre "Kaiserin". In den sozialen Medien kursieren bereits Verschwörungstheorien, nach denen Gräve Opfer eines perfiden Komplotts geworden sein soll. Manche wittern gar eine persönliche Vendetta der Landesrätin gegen die beliebte Intendantin. Die Gerüchteküche brodelt.
Dabei ist das Ganze doch so einfach: In Vorarlberg ticken die Uhren nun mal anders. Hier wird Theatertradition noch großgeschrieben und eine Intendantin nach 17 Jahren noch immer wie eine Königin verehrt. Dass man ihr den Laufpass gibt, ist für die provinzielle Kulturszene ein Schock, von dem sie sich wohl nie mehr erholen wird. Willkommen im Theater-Wunderland Vorarlberg, wo selbst Vertragsverlängerungen zum Kulturgut werden.