Eigentlich hätte man's wissen müssen: Wo lange gebohrt wird, kommt auch was raus. In Graz sieht man das aber anders. Dort bohrt die Stadtregierung seit gefühlten Jahrzehnten an ihrer Energiezukunft, ohne dass auch nur ein Tropfen Fortschritt ans Tageslicht gelangt wäre. Man könnte meinen, sie hätten ein geologisches Dauerkarten-Abonnement für Stillstand gebucht.
Die NEOS, diese ewigen Besserwisser der Steiermark, haben nun die Schnauze voll. Ihr Fraktionschef Philipp Pointner – ein Mann, der vermutlich in seiner Freizeit alte Heizkörper zum Lachen bringt – hält die aktuelle Energiekrise für eine Farce. "Graz ist noch immer von fossilen Energieträgern aus Nahost abhängig", sagt er und schüttelt verständnislos den Kopf. Man hört es förmlich: "Und ich dachte, wir wären im 21. Jahrhundert, nicht im 18. mit Kachelöfen."
Dabei ist das Geothermie-Projekt die große Hoffnung, die sich aber anfühlt wie eine schlechte Netflix-Serie: Jede Staffel kündigt Fortschritt an, aber am Ende wartet man nur auf die nächste Verlängerung. Pointner nennt es "Stillstand, Mutlosigkeit und Verzögerungstaktik". Andere würden sagen: "Die warten wohl auf die Wärme von unten, aber die kommt nur, wenn sie endlich mit dem Bohren aufhören."
Die rote-grüne Stadtregierung sieht das natürlich anders. Sie verweist auf die Komplexität und auf behördliche Hürden. Man hört sie förmlich denken: "Wir können doch nicht einfach mal so in die Erde reinbuddeln – da könnte ja was passieren!" Vielleicht fürchten sie, eine heiße Quelle zu erwecken, die ihnen am Ende die Füße verbrennt. Oder sie warten auf eine göttliche Eingebung aus der Tiefe.
Unterdessen läuft die Grazer Fernwärme noch immer mit Gas – das Zeug, das aktuell teurer ist als ein Ticket für die Fußball-EM. Das Projekt "Sonnenspeicher Süd" sollte ein Drittel der Versorgung abdecken, liegt aber derzeit wohl auf unbestimmte Zeit in der Warteschleife. Vielleicht haben die Planer auf Sonnenenergie aus der südlichen Hemisphäre gesetzt, wo ja gerade Sommer ist. Leider funktioniert das mit der Fernwärme aus Argentinien noch nicht so recht.
Im Dezember forderten die NEOS einen verbindlichen Plan für die Energiewende. Dieser wurde abgelehnt – wahrscheinlich weil er zu verbindlich war. Man fürchtete wohl, man müsste ihn ja auch umsetzen. Das hätte ja nur Ärger mit denen gegeben, die gerade noch in den alten Systemen gemütlich vor sich hin brutzeln.
Pointner mahnt nun zur Eile. "Nur die zügige Umsetzung des Geothermieprojekts und des Sonnenspeicher Süd wird für Unabhängigkeit von Öl und Gas sorgen." Man könnte auch sagen: Nur wenn wir aufhören zu warten, hört das Warten auf. Aber in der Verwaltung klingt das wahrscheinlich zu provokant. Lieber wartet man noch ein bisschen, bis die Energiepreise wieder so weit gesunken sind, dass sich das Bohren nicht mehr lohnt.
Fazit: In Graz wartet man auf die Wende – und die wartet auf einen, der sie einleitet. Bis dahin heizt man mit fossilen Brennstoffen und hofft insgeheim, dass Donald Trump das größte Gasfeld der Welt doch noch angreift. Dann wäre die Preisspirale noch dramatischer und man könnte sich als Energiehochburg inszenieren. Vielleicht kommt ja dann die Geothermie doch noch schneller voran – aus purer Verzweiflung.