Die Begutachtungs-Bashing-Welle schwappt durch Österreich. Eigentlich sollten die Gutachter ja genau wissen, was sie tun. Aber anscheinend müssen sogar die Begutachter noch einmal begutachtet werden. Ein echtes Gutachten über die Gutachten - das nenne ich mal Meta-Müdigkeit!
Die Behindertenvertreter, die Caritas und die Volkshilfe sind sich einig: Die Begutachtungspraxis ist ein einziger Reinfall. Aber haben die sich mal gefragt, ob nicht gerade sie selbst begutachtet werden müssten? Vielleicht ist das ganze System nur eine einzige große Begutachtungsschleife, aus der es kein Entrinnen gibt.
Der KOBV fordert eine eigene Begutachtungsstelle, die von der PVA losgelöst ist. Aber hallo? Wenn die neue Stelle dann wieder Fehler macht, gründen wir dann eine übergeordnete Begutachtungsstelle für die Begutachtungsstelle? Irgendwann haben wir nur noch Gutachter, die Gutachter begutachten, die wiederum von anderen Gutachtern begutachtet werden. Willkommen in der Begutachtungs-Hölle!
Die Caritas spricht vom "politischen Willen", die Probleme zu lösen. Aber was ist mit dem "begutachtenden Willen"? Vielleicht liegt das Problem ja gar nicht am System, sondern daran, dass wir alle viel zu viel Zeit damit verbringen, einander zu begutachten, statt einfach mal was zu tun. Statt immer nur zu begutachten, sollten wir vielleicht einfach mal etwas tun, ohne es vorher hundertmal begutachten zu lassen. Aber das ist wahrscheinlich viel zu radikal für unsere Begutachtungsgesellschaft.