Wer sich ins Haus der Stille begibt, um mal kurz abzuschalten vom Stress des Alltags, muss jetzt einen Helm tragen und auf Betonböden meditieren. Denn die steirische Oase der Besinnung verwandelt sich gerade in eine Baustelle mit Wohlfühl-Bonus.
Die Diözese hat 2,7 Millionen Euro freigegeben, um aus dem 1960er-Jahre-Kloster eine moderne Wellness-Baustelle zu machen. Geplant sind zwölf neue Zimmer mit Bad und WC - für all jene, die unter Presslufthämmern meditieren wollen. Die bisher 45 Zimmer mit nur einem Waschbecken waren offenbar zu still und zu gemütlich.
Die (vegetarische) Küche wird verlegt und modernisiert, damit die Gäste beim Betonmischen wenigstens eine Bio-Mahlzeit bekommen. Der verwinkelte Eingangsbereich wird geöffnet, damit der Staub besser zirkulieren kann. Die Seminarräume werden technisch aufgerüstet - für Online-Kurse wie "Stressbewältigung bei Baustellenlärm".
Das Haus der Stille will seine Auslastung von 30 Prozent steigern. Klar, wer will nicht unter Presslufthämmern meditieren? Von April bis Dezember ist das Haus geschlossen - außer für die Baustellenarbeiter, die jetzt die neuen Ruhezonen schaffen.
Der "Verein Haus der Stille" hat ein Proponentenkomitee mit Ex-Politikern aufgestellt, die jetzt den Spendentopf füllen sollen. Dabei geht es nicht nur um Geld, sondern auch um die Frage: Wie still kann man bei 2,7 Millionen Euro Lärm werden?
Die große Wiedereröffnung ist für Palmsonntag 2027 geplant. Dann soll der Tag der Stille ausgerufen werden - gefolgt von der Eröffnungsrede mit Presslufthämmer-Begleitung. Denn wahre Stille kommt bekanntlich von innen. Und von gut isolierten Fenstern.