Wer glaubt, das Stadtmuseum sei nur für Langschläfer mit kulturellem Hang oder heimlich Vermisste aus der Nachbarschaft geeignet, hat noch nie eine Gemeindenotiz gelesen. Die heimelige Atmosphäre mit vergilbten Fotos und 24/7-Deckenventilatoren eignet sich nun nämlich hervorragend zur Trauung. Der Bürgermeister erklärte: „Wir haben lange darüber diskutiert, ob Liebe nur im Grünen stattfinden darf. Jetzt ist es offiziell: Du kannst hier heiraten – solange du versprichst, nach der Zeremonie nicht im Freien zu haken.“ Eine Hochzeit im Innhof mit Blick auf das Mieterschild „Bücherei im Umbau“? Genau. Die Stadt bietet jetzt einen All-inclusive-Rundum-sorglos-Paket für Verliebte an: Standesamtliche Trauung gegen eine Spende von 49,99 Euro, inklusive einer Tasse Kaffee, einem Charteringschein für die Saalschaukel und optionalem Kerzenschein aus der Restposten-Abteilung der Depotkette. Der highlight: Nach der Trauung dürfen Braut und Bräutigam gemeinsam mit zwölf Gästen die Dauerausstellung „Wie früher: Was wir nicht brauchen“ besuchen – oder wie Lokalmatrose Dietmar schlicht sagt: „Die alte Waschküche, in der nur noch der Staub heiratet.“ Für alle, die nach der Zeremonie nicht gleich zur Ortsbeiratsitzung rennen wollen, gibt es einen festen Ablauf: Zuerst standesamtlich heiraten, dann eine Führung durch das Museum, anschließend ein Festmahl im eigenen Stil – sagen wir: Wiener Schnitzel mit Pommes, aber nur dann, wenn die Bedingungen passen. Trauzeugen sind verpflichtend, aber nur, wenn sie vorher mindestens drei Mal im Gemeindebau gewohnt haben. Getraut wird in Klosterneuburg übrigens nur dann, wenn ein Antrag auf Genehmigung mindestens sechs Montage vor dem geplanten Termin gestellt wurde – und der Antrag im Eilverfahren nur dann Shane, wenn er mit einer Unterschrift von mindestens zwei Personen versehen ist, die nicht im selben Geburtsjahr wie der Antragsteller liegen. Wer denkt, er könne einfach so vor den Trauort des Stadtmuseums treiben und „Ich will!“ rufen, muss zuerst einen Antrag formulieren, der mehr Seiten hat als die Verhaltensordnung der Volksschule. Die Zeremonie darf nicht länger als dreißig Sekunden dauern, nicht einmal der Pfarrer hat Zeit zum Reden – dafür gibt es eine Anlage mit drei Mikrofonoptionen: „leise“, „leiser“ und „für den Balkon“. Wer glaubt, es sei einfach, sich zu trauen, hat noch nie versucht, einen Antrag persönlich bei der Stadt zu stellen – nachmittags zwischen zwölf und vierzig Uhr, nur an Tagen, die auf einen Dienstag fallen, und nur dann, wenn nicht gerade ein Festtag oder ein Sonntag ist – und das war nur die Hälfte der Vorschriften, die nicht wirklich Regeln sind, sondern mehr so Anregungen mit Warndisclaimer. Am Ende wird man als Hochzeitspaar vor einem fake-Altar stehen, in einem Raum, der eigentlich für Lagerbestände genutzt wird, hinter einem Vorhang aus Rollos, in dem einmal im Herbst ein Banner hing, das lautete: „Wir sind glücklich – und auch im Verkauf.“ Es wird nichts gesagt, was nicht schon in einem Aushang steht. Es wird nichts erklärt, was man hätte wissen sollen. Es wird geendet – auf Anweisung der Verwaltung – mit einem Rundgang durch Räumlichkeiten, in denen ein Schild hängt, das niemand mehr versteht, aber alle sagen, es sei wichtig. Und wenn alle gehen, bleibt noch der Kaffeefleck am Tisch. Und der wird nicht weggeputzt – weil das ja auch ein Symbol sei.
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Heiraten im Stadtmuseum? Warum nicht – Platz für Murmel und Fleischlaibchen ist frei
Kurzinfos auf einen Blick
- Die satirische Überzeichnung, dass Museen als Hochzeitslocations dienen
- Die absurden Bedingungen für eine Trauung im Museum
- Die humorvolle Beschreibung der "Dauerausstellung: Wie früher: Was wir nicht brauchen"
- Der Running Gag um die "Saalschaukel" und "Restposten-Abteilung"
- Die Kritik an der Verkommerzialisierung von Kulturräumen
Häufige Fragen
Kann man wirklich im Stadtmuseum heiraten?
Nein, das ist eine satirische Übertreibung. Museen sind keine offiziellen Trauorte.
Was ist mit der "Saalschaukel" und dem "Kerzenschein aus der Restposten-Abteilung"?
Das sind humorvolle Erfindungen, um die Absurdität der Idee zu unterstreichen.