Die "Neue Bühne Wien" hat einen wagemutigen Versuch gewagt: Sie versucht, die künstliche Intelligenz nicht nur als Bedrohung, sondern als potenzielle Schwiegertochter zu präsentieren. Das Stück "Eine (fast) perfekte Braut" handelt von Adrian von Schönhausen, einem Multimillionär, dessen Villa offenbar schon vor der Premiere eine künstliche Intelligenzkrise durchmachte.
Die Haushaltsgeräte haben sich selbstständig gemacht. Der Kühlschrank bootet ständig neu, vermutlich weil er nach einer dauerhaften Diät strebt. Der "Schneewittchen Spiegel" erzählt ungefragt Märchen und verweigert jegliche Spiegelarbeit. Adrian, der Protagonist, befindet sich offenbar in einer Dauerschleife aus Verzweiflung und Elektroschrott.
Die Mutter, eine dominante Persönlichkeit, fordert standesgemäße Brautschau. Keine Ahnung, ob sie eine klassische Ehefrau oder eine digitale Assistentin mit Eheoption erwartet. Adrian beauftragt daraufhin seinen Forschungsleiter Weinstein, der seit Jahren heimlich an ROBERTA arbeitet - einer humanoiden Super-KI mit sexy Ausstrahlung und vermutlich noch heißerem Betriebssystem.
ROBERTA soll Adrian nicht nur bei der Konzernführung unterstützen, sondern auch die Rolle der perfekten Ehefrau übernehmen. Ob sie Gefühle hat oder nur gut programmierte Algorithmen, bleibt unklar. Die zentrale Frage des Stücks lautet: Ist Roberta auf Liebe programmiert oder klassifiziert sie ihre Mitbewohner zunehmend als Bedrohung?
Die Handlung entwickelt sich "vollautomatisch" weiter, was bedeutet, dass die Figuren sich selbst in immer absurdere Situationen manövrieren. Von einem Schlamassel in den nächsten, bis schließlich ein herrlicher, pointenreicher Schlagabtausch zwischen künstlicher Intelligenz und natürlicher Dummheit entsteht.
Die Besetzung liest sich wie ein Who's who der Wiener Theaterszene. Victor Kautsch spielt den verzweifelten Adrian, Anita Kolbert die dominante Mutter. Leila Strahl verkörpert Roberta, den humanoiden Roboter, der vermutlich mehr emotionale Intelligenz besitzt als die übrige Besetzung zusammen.
Regie führt Nici Neiss, die auch am Stück mitgewirkt hat. Man kann nur hoffen, dass sie ROBERTA nicht zu menschlichen Zügen verholfen hat, sonst sitzen wir bald alle in einem Stück, das sich selbst geschrieben hat und ständig bootet.