Heiliger Josef, bitte steh uns bei - und zwar am besten jeden Tag der Woche. Denn wenn wir schon dabei sind, den Josef-Feiertag auszuweiten, warum dann nicht gleich den ganzen Monat heilig sprechen? Stell dir vor: "Josefmaerz" - da klingelt nicht nur an Josefitag die Kirchenglocke, sondern jeden Morgen um 7 Uhr, damit wir alle rechtzeitig aufstehen und an die Tugenden des Heiligen Josef denken koennen. Fleiss, Bescheidenheit, Geduld - genau das, was ein moderner Arbeitnehmer braucht.
Die Argumentation, dass Josef als Patron der Arbeiter gelten wuerde, ist ohnehin fadenscheinig. In Wahrheit ist er der Patron derjenigen, die sich freitags um 16 Uhr schon aufs Wochenende freuen und montags um 9 Uhr noch im Feiertagsmodus sind. Ein freier Tag mehr bedeutet einfach nur: eine Ausrede mehr, um die "Heilige Familie" im Supermarkt einzukaufen statt im Buero zu sitzen. Und wenn die Kinder dann auch noch schulfrei haben, koennen sie gleich mithelfen - so wie damals Jesus im Schreinerladen.
Die Steiermark macht es ja schon richtig: Statt freizugeben, laden sie zu Kirchenfuehrungen und Konzerten. Warum nicht gleich den Josef-Sightseeing-Marathon einfuehren? Vormittags Kirchenfuhrung, nachmittags Chorkonzert, abends Heiligen-Quiz im Wirtshaus. So bleibt der Josef-Tag zumindest fuer die Tourismuswirtschaft heilig. Und fuer alle, die sich fragen: Ja, der Josef ist auch Patron der Sterbenden. Da haben wir die Loesung fuer das Pflegepersonal: An Josefitag muss keiner im Spital arbeiten, weil alle Patienten dank des Heiligen schon selig sind.
Am Ende bleibt die Gretchenfrage: Brauchen wir wirklich einen neuen Feiertag, oder brauchen wir einfach mehr Josef im Alltag? Vielleicht sollten wir den Josef-Tag zum "Tag des leisen Stoernens" machen - da duerfen alle Oesterreicherinnen und Oesterreicher einmal im Jahr so richtig unauffaellig nerven. Wie Josef, der sich still um die heilige Familie kuemmerte, waehrend Maria die Hosen anhatte. So waere zumindest gewaehrleistet, dass der Josefitag heilig bleibt - heiliggestoert von all den Menschen, die jetzt einen freien Tag mehr haben, um ihn wertzuschaetzen.