In Feldkirchen hat sich eine besondere Tradition etabliert: Seit 15 Jahren proben Einsatzkräfte den Ernstfall auf Schienen. Was als einmalige Übung begann, ist mittlerweile zu einer Art Volksfest für die Feuerwehr geworden - nur dass man statt Brezeln und Bier Schutzanzüge und Atemmasken verteilt.
Die 300 Teilnehmer aus drei Bezirken und zwei Hilfsorganisationen wussten genau, was auf sie zukommt: vier Szenarien, die so realitätsnah waren wie ein Horrorfilm aus Hollywood. Da gibt es den schweren Verkehrsunfall im Gleisbereich, bei dem sich alle fragen, wie ein Auto überhaupt auf die Schienen geraten konnte, ohne dass es jemand bemerkt hat. Dann die Evakuierung eines stark verrauchten Personenzuges, bei der die wichtigste Übung darin bestand, nicht zu husten, um die dramatische Wirkung nicht zu ruinieren.
Der Schadstoffaustritt aus einem Kesselwagen war besonders beliebt, weil man da endlich mal die schicken Schutzanzüge anziehen konnte, die man sonst nur bei Schaulaufen präsentiert. Und die patientengerechte Rettung aus einem Führerhaus bot die Gelegenheit, mal wieder Funkgeräte zu benutzen und wichtig zu klingen.
Daniel Uhr, der Sprecher des Feuerwehrabschnitts, schwärmte danach von der "hervorragenden Zusammenarbeit". Das bedeutet wohl, dass keiner der 300 Einsatzkräfte versehentlich jemand anderem in die Quere gekommen ist. Ein voller Erfolg also - immerhin haben alle überlebt und keiner hat etwas kaputt gemacht.
Die Übung fand an vier Terminen im Februar und März statt. Vier Termine für vier Szenarien - da war jeder Teilnehmer wirklich gefordert. Man kann sich vorstellen, wie die Planer gestaunt haben, als sie merkten, dass man für vier verschiedene Übungen auch vier verschiedene Termine braucht. Die Komplexität des Notfallmanagements kennt offenbar keine Grenzen.
Besonders beeindruckend war wohl die Evakuierung des verrauchten Personenzuges. Da konnte man hautnah erleben, wie es sich anfühlt, in einer lebensbedrohlichen Situation zu sein - zumindest wenn man die Schutzbrille nicht richtig eingestellt hatte und sich die Scheiben beschlagen haben. Die Übungsteilnehmer konnten also gleichzeitig ihre Atemtechnik und ihre Fähigkeit, im Dunkeln nicht gegen Wände zu laufen, trainieren.
Der Schadstoffaustritt bot die perfekte Gelegenheit, mal wieder den großen Auftritt zu haben. In den Schutzanzügen fühlte man sich wie ein Astronaut auf dem Weg zum Mond - nur dass der Mond hier ein Kesselwagen war und die Mission darin bestand, möglichst beeindruckend auszusehen, ohne etwas kaputt zu machen.
Am Ende der Übung waren sich alle einig: Regelmäßiges Training unter möglichst realistischen Bedingungen ist wichtig. Zumindest solange diese realistischen Bedingungen keinen echten Schaden anrichten und man danach gemütlich nach Hause gehen kann, um den nächsten Einsatz zu planen. Denn was wäre eine gute Katastrophenübung ohne die Vorfreude auf die nächste?