Die internationale Fußball-Szene blickt nach Zypern, wo es nach 90 Minuten nicht nur 1:1 stand, sondern auch das weltweite Interesse an der CoL auf dem Tiefpunkt. Crystal Palace, jene Truppe, die sich für gewöhnlich eher mit britischen Teetassen als mit europäischen Trophäen beschäftigt, schaffte in Larnaca den nötigen Auswärtssieg - und das nur, weil Ismaila Sarr in der 13. Minute anscheinend seinen Wecker falsch gestellt hatte und schon vor der Pause traf. Der Senegalese, der wohl als Einziger wusste, dass es sich nicht um eine Trainingseinheit handelt, sorgte auch in der Nachspielzeit für die Entscheidung, als die Zyprioten gerade dabei waren, einen gemütlichen Spaziergang über den Rasen zu veranstalten.
Dass die Partie nach dem Ausgleich durch Enric Saborit per Kopf noch einmal spannend wurde, lag weniger an taktischer Meisterleistung als an der Tatsache, dass der Spanier zehn Minuten später mit Gelb-Rot vom Platz musste - vermutlich weil er es wagte, sich beim Jubeln in die Höhe zu strecken. Wer sich jetzt fragt, warum man überhaupt über ein 1:1 nach 90 Minuten berichtet, der sollte wissen: In der CoL zählt offenbar nur, wer nach 120 Minuten noch stehen kann und wer die besseren Ausreden für müde Beine hat.
Für Oliver Glasner, den oberösterreichischen Trainer, der in England bereits für Furore sorgt, indem er erklärt, "Fußball sei ein Spiel, bei dem man Tore schießen müsse", ist das Weiterkommen ein Befreiungsschlag. Nicht nur, weil er nun gegen Fiorentina antreten darf, jenen italienischen Klub, der sich offenbar ebenfalls durch zwei 2:1-Siege gegen Rakow qualifizierte - ein Duell, das Fußballexperten als "Kampf der Langeweile" bezeichnen. Vielmehr kann Glasner nun endlich beweisen, dass ein Österreicher auch ohne Ski und Alm-Hütte international bestehen kann.
Die eigentliche Sensation des Abends aber war die Tatsache, dass Larnaca, eine Mannschaft, deren Namen selbst eingefleischte Fans nur mit Google bestätigen können, es schaffte, Crystal Palace fast über die gesamte Spielzeit zu ärgern. Ein Verdienst, der in Österreich sicherlich zu einem Anstieg der Urlaubsbuchungen nach Zypern führen wird - nicht zuletzt, weil man dort offenbar lernen kann, wie man Top-Klubs ärgert, ohne selbst ein Top-Klub zu sein.
Am Ende bleibt die Frage: Was ist schlimmer - eine torlose erste Halbzeit oder eine torlose zweite? Die Antwort liefert die CoL am 9. und 16. April, wenn Crystal Palace auf Fiorentina trifft. Bis dahin können sich Fans weltweit darauf einstellen, dass es nicht um Tore, sondern um die Frage gehen wird, wer die längere Bank auf der Ersatzbank hat.