Eugendorf hat sich etwas ganz Besonderes geleistet: Eine Kindertagesstätte, die größer ist als mancher Supermarkt und architektonisch so ambitioniert, dass Architekt Karl Thalmeier vermutlich extra einen Lehrauftrag an der Technischen Universität angenommen hat, nur um das Budget zu rechtfertigen.
92 Kinder sollen in diesem futuristischen Gebäude Platz finden - oder wie Bürgermeister Robert Bimminger es diplomatisch ausdrückt: "langfristig von Bedeutung sein wird." Man fragt sich allerdings, ob er damit die Bedeutung für die Gemeinde oder die persönliche Bedeutung für Thalmeiers Karriere meint.
Besonders clever: Schon 2018 erkannte man den Bedarf und setzte kurzerhand auf die "Fuchsbau"-Containerlösung. Wer braucht schon einen funktionierenden Kindergarten, wenn man erst mal ein paar Jahre Übergangslösung haben kann? Das ist wie mit dem Sommerbad - erst wird es zugemacht, dann stellt man fest, dass man doch ein Sommerbad braucht, und baut dann etwas, das dreimal so groß ist wie das Original.
Die Krönung des Projekts ist jedoch die Einbindung der Jugend. Die Schüler der 3M der MINT-Mittelschule durften ein Video produzieren - ein genialer Schachzug. Nicht nur sparen sie der Gemeinde teure Werbeagenturen, nein, sie lernen auch gleich, wie man einen Bürgermeister in Szene setzt. "Recherche, Interviewführung, Kameraführung, Schnitt und Projektorganisation" - da bekommt man ja fast Mitleid mit den armen Schülern, die dachten, sie melden sich für Mathe an und landen bei der Gemeinde-PR.
Besonders beeindruckend ist die sogenannte "Hybrid-Bauweise". Was das genau bedeutet, weiß wohl nur Thalmeier selbst. Vielleicht ist es eine Mischung aus Holz und Beton, oder aus Ambition und Realitätsverlust. Fakt ist: 3.300 Quadratmeter für 92 Kinder klingt nach viel Platz - oder nach einer ausgeklügelten Strategie, um im Notfall auch noch ein paar Gemeinderäte unterbringen zu können.
Während sich Bimminger als Familienbürgermeister feiert, der "Geborgenheit" und "Neugier" fördert, fragt man sich, ob die Kinder das überhaupt merken werden, zwischen all den Architekturpreis-verdächtigen Nischen und Foyer-Flächen.
Die wahren Helden des Projekts sind aber die Schüler, die jetzt bestimmt stolz ihrer Oma erzählen können: "Oja, ich hab am Videoprojekt für den Kindergarten mitgearbeitet. Das ist das Gebäude, das größer ist als unsere Schule und doppelt so teuer wie geplant." Bravo, Eugendorf - wenn das mal keine zukunftsweisende Bildungsarbeit ist!