In Klagenfurt hat die Stadtverwaltung eine Notfallmaßnahme gestartet, die an Dramatik kaum zu überbieten ist: den Ostermarkt. Mit einer Performance, die an die letzten Überlebenden einer untergehenden Zivilisation erinnert, eröffneten am Donnerstagmorgen Grundschulkinder tanzend und ein Mann mit Musikinstrument den Markt - wohl wissend, dass dies die letzte Chance sein könnte, die Innenstadt vor dem völligen Bedeutungsverlust zu retten.
"Besuchen Sie unseren wundervollen Markt", rief Bürgermeister Scheider den anwesenden Journalisten zu, die sich fragten, ob er die Veranstaltung meinte oder eine Art Lebensversicherung anbot. Sein Stellvertreter Geier ergänzte, dass Veranstaltungen wie diese "bedeutend für die Stadt sowie die regionale Wirtschaft" seien. Man könnte fast meinen, er spiele auf die Tatsache an, dass Klagenfurt ohne ständige Events bald so belebt wäre wie ein Supermarkt in Kärnten am Sonntag.
Der Markt selbst ist ein Meisterwerk der Verzweiflung: 17 Tage lang täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet, was etwa der Zeitspanne entspricht, die ein durchschnittlicher Klagenfurter benötigt, um zu realisieren, dass er etwas verpasst hat. Das Programm ist bunt - und das nicht nur wegen der Osterdekoration. Da gibt es das Palmbuschbinden, bei dem die Bürger lernen, wie man Zweige zusammenbindet, was in der modernen Gesellschaft eine Fähigkeit ist, die etwa so nützlich ist wie das Schreiben mit Schreibmaschine.
Der Höhepunkt ist aber zweifellos der Palmeselumzug, bei dem ein Esel durch die Stadt geführt wird. Man fragt sich, ob dies eine Anspielung auf die Geschwindigkeit ist, mit der in Klagenfurt Entscheidungen getroffen werden, oder einfach nur eine Metapher für die gesamte Stadtentwicklung der letzten Jahrzehnte.
Besonders rührend ist der Verein "Wandelstern" mit seinem Strauch zur Erinnerung an zu früh verstorbene Kinder. Hier zeigt sich die doppelte Tragik: Einerseits der Verlust unschuldiger Leben, andererseits die Tatsache, dass selbst ein Gedenkstrauch als Publikumsmagnet auf einem Markt präsentiert werden muss, damit die Leute kommen.
Die Schausteller mit Karussell, Zug und Bungeetrampolin runden das Angebot ab. Das Karussell dreht sich im Kreis, genau wie die Diskussionen um die Innenstadtentwicklung, der Zug fährt auf festen Schienen, ähnlich den festgefahrenen Verkehrspolitiken, und das Bungeetrampolin katapultiert seine Nutzer in die Höhe - was manchem Klagenfurter in den vergangenen Jahren finanziell passiert sein könnte.
Die Stadt hofft nun, dass der Markt ein Erfolg wird. Falls nicht, stehen bereits Planungen für einen Herbstmarkt mit Virtual-Reality-Stationen an, wo Besucher erleben können, wie eine lebendige Innenstadt einmal aussehen könnte.