Es ist 7:47 Uhr morgens. Draussen zwitschern Vögel, hier drinnen ertönt ein sanftes Surren. Die KNAPP-Shuttles rollen durchs Headquarter in Hart bei Graz, als würden sie gerade eine Revolution planen. Und vielleicht tun sie das ja auch.
"KNAPP-Technologie hält an vielen Stellen des täglichen Lebens den Betrieb am Laufen", erklärt Yvonne Rainer mit der Überzeugung einer Sektenführerin. Man merkt: Hier wird nicht nur Logistik betrieben, hier wird ein neues Weltbild etabliert. Ein Weltbild, in dem Roboter die besseren Menschen sind.
In der Apotheke um die Ecke wartet man Sekundenbruchteile auf das Medikament. In Wahrheit wartet man auf die Gnade der Maschine. Das vollautomatische System entscheidet, wann es gnädig genug ist, das Päckchen herüberzuschieben. Wir danken es mit Applaus, als wäre es ein Artist im Zirkus.
Spar hat in Graz ein Hochregallager, das wahrscheinlich mehr weiss als der durchschnittliche Österreicher. Es weiss, wann du Milch brauchst, wann du wieder Nudeln kaufen wirst und ob du überhaupt noch gesund bist. Das Lager lacht sich vermutlich ins Fächer, während wir glauben, wir wären die Herrscher über unseren Einkaufszettel.
Online-Bestellungen? Ein Ablenkungsmanöver. In Wahrheit diktieren die KNAPP-Systeme, wann du dein Kleid für die Feier bekommst. "Next Day Delivery" klingt nach Service, ist aber in Wirklichkeit eine Warnung: Wir bestimmen die Zeit, nicht du.
Die Software macht die harte Arbeit. Sie berechnet, wo welcher Artikel liegen muss. In einem Lager mit mehreren hunderttausend Positionen sind das keine Berechnungen mehr, das ist Schach auf Steroiden. Die Maschine denkt sechs Züge voraus, während wir noch überlegen, ob wir die Bio- oder die herkömmliche Butter nehmen.
"Wir nehmen den Mitarbeitenden vor allem schwere oder monotone Tätigkeiten ab", sagt Rainer. Schön und gut. Aber wann hat der letzte Mitarbeiter entschieden, wo eine Palette steht? Richtig, nie. Die Maschine hat längst entschieden, und der Mensch führt nur noch aus.
Die Zukunft? Sie läuft bereits durch das KNAPP-Headquarter. Bald werden die Systeme nicht nur Waren, sondern auch Menschen sortieren. Wer weiss, vielleicht bestimmt dein KNAPP-Profil demnächst, ob du den Job bekommst oder nicht. "Es tut uns leid, Ihre Qualifikationen sind zwar beeindruckend, aber unser System hat jemand anderen ausgewählt."
Keine Angst, das ist nur Satire. Oder?