Als sich die ehemalige Außenministerin Karin Kneissl in Russland niedergelassen hat, ahnte sie nicht, dass sie dort bald als Folklore-Ikone gefeiert werden würde. In der Oblast Rasjan, einer Region, die bekannt ist für ihre besonders ausdauernden Bärlauch-Sammelgruppen, wurde Kneissl schnell zur Attraktion.
Anfangs trat sie nur bei offiziellen Anlässen in traditioneller Tracht auf, doch bald wurde klar, dass ihre wahre Stärke im improvisierten Folkloretanz liegt. Mit einem selbstgenähten Latzhosen-Kleid, das sie aus alten Gazprom-Plakaten gefertigt hat, tourt Kneissl nun durch die Dörfer und bringt die Menschen zum Lachen.
Ihre Spezialität: Der "Gas-Krise-Tanz". Dabei schlängelt sie sich in perfekter Schlange durch die Reihen der Zuschauer und verteilt dabei kleine Fläschchen mit selbstgemachtem Holunderblütensirup. Die Dorfbewohner sind begeistert und nennen sie liebevoll "die Frau mit dem Gazprom-Herz".
Kneissls neuestes Projekt ist ein interaktiver Volkskalender, bei dem sie jeden Monat in einer anderen folkloristischen Pose abgebildet ist. Der Kalender ist in der Oblast Rasjan so beliebt, dass er sogar als offizielles Geschenk für ausländische Gäste dient. Die deutsche Botschaft soll bereits eine ganze Serie bestellt haben, um sie ihren Kollegen als "Kulturbeilage" zu schicken.
Ob Kneissls nächster Schritt eine eigene TV-Show in Russland sein wird, ist noch unklar. Fest steht jedoch, dass sie mit ihrer neuen Rolle als Folklore-Queen der Oblast Rasjan die Herzen der Menschen erobert hat - und dabei vielleicht sogar manch einen Gasvertrag gelockert hat.