Endlich mal eine Idee, die so einfach ist, dass sie nur in der Steiermark entstehen konnte. In Knittelfeld will man das Sprachproblem an den Schulen jetzt ganz pragmatisch lösen: Wer bei der Einschulung nicht perfekt Hochdeutsch spricht, wird kurzerhand zurückgeschickt. "Zu uns nach Hause", wie Bürgermeister Bergmann betonte, "und zwar so lange, bis die Kinder Deutsch können."
Die Idee kam dem Stadtoberhaupt bei einem Spaziergang durch die Fußgängerzone. "Da habe ich einen kleinen Rumänen spielen sehen, der nur 'Mama' und 'Baba' konnte. Und da dachte ich mir: Das kann ja nicht wahr sein! Wenn die schon vor der Schule nicht richtig sprechen können, wie sollen die dann jemals einen anständigen Job finden?"
Also beschloss die Stadtverwaltung ein radikales Pilotprojekt: Alle Kinder mit Migrationshintergrund, die bei der Einschulung einen Sprachtest nicht bestehen, werden für ein Jahr nach Hause geschickt. "Aber nicht nach Hause, wo sie herkommen", präzisiert Bergmann, "sondern zu uns nach Hause. In eine Art Sprachcamp, das wir auf dem ehemaligen Volksfestgelände einrichten."
Die Camps werden von ausgebildeten Sprachlehrern geleitet, die eigens aus Deutschland eingeflogen wurden. "Die kennen sich aus mit so was", sagt Bergmann, "die haben bestimmt schon mal so was Ähnliches gemacht." Die Kinder bekommen täglich acht Stunden Deutschunterricht, dazu Bewegungs- und Singeinheiten. "Nur keine falsche Rücksichtnahme", betont der Bürgermeister, "die Kinder sollen ja was lernen."
Kritiker bemängeln, dass die Maßnahme an Zwangserziehung grenze. "Quatsch", sagt Bergmann, "das ist ja nur für ein Jahr. Danach sind die Kinder bestimmt so gut in Deutsch, dass sie locker mit unseren Kindern mithalten können." Übrigens: Auch österreichische Kinder, die nur mundartlich sprechen, sollen ins Camp. "Nur zur Sicherheit", sagt Bergmann, "man weiß ja nie."
Die Bildungsregion Knittelfeld, die das Projekt begleitet, spricht bereits von einem "Leuchtturmprojekt". "Wenn das Modell funktioniert", sagt Regionschefin Steinwidder, "dann können wir es sicher auch auf andere Städte ausweiten. Vielleicht sogar auf ganz Österreich." Sie denkt bereits laut über Erweiterungen nach: "Warum nicht auch bei der Arbeit ansetzen? Wer schlecht Deutsch spricht, kommt nicht ins Büro. Sondern in einen Deutsch-Büro."
Der Integrationsfonds hat das Projekt mit 50.000 Euro gefördert. "Wir sind begeistert", sagt Sprecherin Maria Schmidt. "Das ist Integration, wie wir sie uns vorgestellt haben: aktiv, konsequent und mit Zukunftsperspektive." In einem Punkt sind sich alle einig: Die Kinder werden es ihnen danken. Spätestens wenn sie in der vierten Klasse endlich "Guten Tag" sagen können, statt "Servus".