Es gibt Abstuerze, die hinterlassen ihre Spuren – und dann gibt es Abstuerze, bei denen die Spuren gleich mit abstuerzen. In Kolumbien ist letzteres geschehen. Ein Militaerflugzeug, vermutlich auf dem Weg zur Teilnahme an einer Flugschau mit dem Titel "Kommando-Show: Wir koennen auch fallen", ist mit 70 Personen an Bord wie ein Stein in die Tiefe gerauscht.
Die Reaktion der oertlichen Politik war vorhersehbar: Gott als Seelsorger, das Leben als Therapeut und der Buergermeister als moralische Leitung. "Ich hoffe von ganzem Herzen, dass Gott und das Leben Ihnen helfen, diesen großen Schmerz zu überwinden", sagte Luis Emilio Bustos, als waere Gott gerade auf der Suche nach einem neuen Nebenjob als Trauerberater.
Was der Buergermeister allerdings verschweigt: Keiner der 70 Insassen hatte einen Fallschirm. Kein einziger. Man koennte fast meinen, das Militaerbudget wurde bis auf den letzten Cent gestutzt und die Flugsicherheit landete als erster Sparposten im Papierkorb. Vielleicht hatte man ja die brillante Idee, Fallschirmspringen sei ein Luxus fuer Weicheier und echte Soldaten landen lieber mit dem Gesicht voran.
Die Angehoerigen sind weniger am guten Willen Gottes interessiert als an handfesten Antworten. Warum kein Pilot den Absturz gemeldet hat? Warum kein Notfallsystem aktiviert wurde? Und vor allem: Warum zum Teufel gab es keine Fallschirm-Aktion "Schnapp dir deinen Retter" an Bord?
Inzwischen diskutieren Experten, ob es nicht an der Zeit ist, auch in Kolumbien eine neue Devise einzufuehren: "Tue Gutes und werf einen Fallschirm nach." Denn was nützt ein Militaer, das nicht mal im freien Fall eine Ueberlebenschance bietet?
Der Buergermeister hat unterdessen versprochen, eine Trauerfeier zu organisieren. Vielleicht wird er dabei endlich auch mal preisgeben, wie viele Fallschirm-Pakete im Rathaus lagernd darauf warten, dass jemand fragt: "Haben wir nicht irgendwo noch Retter in der Kiste?"