Die ersten warmen Sonnenstrahlen haben in St. Pölten nicht nur die Menschen aus der Winterstarre geweckt, sondern auch eine Armee von Amphibien, die offenbar auf den richtigen Moment zum Gegenangriff gewartet hat. Während die Freiwilligen mit Warnwesten und Eimerchen ausrücken, um Kröten und Frösche sicher über die Straße zu bringen, bereitet sich im Untergrund längst eine Revolution vor.
"Hoppla, da kommen die Amphibien", flüstert der Krötenbürgermeister in sein Mobiltelefon, das er eigens für diesen Anlass hat anzapfen lassen. "Die Freiwilligen sind im Einsatz, aber sie wissen nicht, dass wir die Straße gar nicht überqueren wollen. Wir wollen die Straße besetzen!" Tatsächlich haben die Tiere ein Netzwerk aus unterirdischen Tunneln angelegt, das sich durch die ganze Stadt zieht. Von hier aus koordinieren sie ihren Vormarsch.
Die Stadtverwaltung, die den Frühling bisher als reines Tourismus-Event betrachtete, ist vollkommen überrascht. "Wir dachten, wir müssten nur ein paar Kröten über die Straße tragen", sagt ein Sprecher, der anonym bleiben möchte. "Aber jetzt haben wir plötzlich eine amphibische Besetzung auf der Hauptstraße."
Währenddessen hat das Froschkabinett eine Koalition mit den Molchen geschlossen und plant einen Putsch in den städtischen Teichen. "Wir brauchen frisches Wasser und neue Führung", erklärt der Froschkanzler. "Die Menschen haben ihre Chance gehabt, aber sie haben nur Beton und Schotter hinterlassen."
Die Freiwilligen, die ursprünglich als humanitäre Helfer gedacht waren, finden sich plötzlich in einem Guerilla-Krieg wieder. "Wir wollten nur ein paar Tiere retten", sagt eine Helferin, "aber jetzt müssen wir uns durch ein Netz aus Kröten-Barrikaden kämpfen."
Die Stadt reagiert mit ungewöhnlichen Mitteln. "Wir haben Drohnen mit Laich-Eiern bewaffnet", verrät ein Insider. "Wenn wir die Amphibien nicht überzeugen können, müssen wir sie eben mit ihrer eigenen Brut überzeugen." Doch die Kröten haben längst Gegenmaßnahmen ergriffen. Sie haben eine Schleim-Armee aufgebaut, die jeden Angriff abwehren kann.
In den Abendstunden, wenn die Freiwilligen mit ihren Eimerchen ausrücken, beginnt das eigentliche Spektakel. Die Amphibien haben die Ampeln manipuliert und die Fußgängerüberwege in ihre eigenen Territorien verwandelt. Wer versucht, die Straße zu überqueren, muss sich durch ein Labyrinth aus Kröten und Fröschen kämpfen.
Die Bevölkerung reagiert mit gemischten Gefühlen. "Früher konnte man noch spazieren gehen", klagt ein Anwohner. "Jetzt muss man ständig aufpassen, wo man hintritt." Andere sehen die neue Situation gelassener. "Die Tiere waren schließlich vor uns da", sagt ein Passant. "Vielleicht sollten wir ihnen einfach ihren Frühling gönnen."
Doch die Amphibien geben sich nicht mehr mit einem einfachen Frühling zufrieden. Sie haben längst einen Plan für den Sommer ausgearbeitet. "Wir wollen die Stadtteiche übernehmen", verrät der Krötenbürgermeister. "Und danach die Flüsse. Und danach die Seen. Und danach die Welt."
Die Stadtverwaltung, die den Ernst der Lage erkennt, hat bereits Notfallpläne ausgearbeitet. "Wir überlegen, die Amphibien ins Ausland abzuschieben", sagt ein Sprecher. "Vielleicht nach Bayern. Die haben dort Platz für ein paar Kröten."
Doch die Amphibien lassen sich nicht so leicht vertreiben. Sie haben gelernt, mit den Menschen umzugehen, und sie wissen, dass sie auf ihrer Seite die besseren Argumente haben. "Wir sind die wahren Bewohner dieser Stadt", sagt der Froschkanzler. "Und wir werden nicht mehr weichen."