Die Fischwelt in der Lavant hat sich gerade eine neue Hierarchie verpasst. Während die gewöhnlichen Speisefische reihenweise den Tod fanden, überlebten ausgerechnet die seltenen und teuren Arten das Unglück. Ein echter Klassenunterschied unter Wasser.
Der Streber, jene elegante Flussbewohnerin, die nur bei richtig guten Winzern vorkommt, schwamm nach dem Unfall munter weiter. Gleiches gilt für den Lavanttaler Edellachs, der ohnehin nur in privaten Zuchtanlagen existiert. Die Bachforelle dagegen, jene bodenständige Vertreterin der Fischküche, ging massenhaft ein.
Die Landesregierung zeigt sich ob dieser Selektivität verwundert. "Es ist schon kurios", sagt ein Sprecher, "da sterben alle die Fische, die man essen kann, aber die, die man nur im Aquarium halten würde, überleben." Die Behörde überlegt nun, die seltenen Fische zu versteigern, um die Reinigungskosten des Flusses zu decken.
Der verantwortliche Industriebetrieb bot unterdessen an, die seltenen Fische persönlich in den Fluss zurückzusetzen. "Wir haben ja schließlich die besten Kontakte zu diesen Tieren", erklärte ein Sprecher. "Da kann man sicher sein, dass die nicht wieder abhauen."
Die Fischervereinigung reagierte empört. "Wenn schon Fischsterben, dann wenigstens gleichmäßig", protestierte der Obmann. "Wir können ja schlecht unseren Gästen sagen, dass es zwar wieder Fische im Fluss gibt, aber die darf man nicht essen."
In der Bevölkerung macht sich unterdessen eine neue Esskultur breit. Restaurants werben mit dem Slogan "Nur Fische, die den Unfall überlebt haben" und verlangen dafür das Zehnfache. Die normale Bachforelle ist mittlerweile seltener als früher der Streber.