Der ehemalige Leiner in der Grazer Annenstraße ist mittlerweile zu einem Denkmal des Nichtstuns geworden. Kein Möbel mehr, kein Personal, kein Betrieb – nur noch ein gewaltiges Loch im Stadtbild, das sich selbst genug ist. Das Haus steht da wie eine überdimensionale Postkarte mit der Aufschrift: "Wir sind gerade im Findungsmodus. Bitte nicht stören."
Der Immobilienentwickler "Trivalue" hat den Kauf wohl etwas überhastet getätigt. Während man in anderen Städten ganze Quartiere umbaut, verhandelt man in Graz stockwerkweise über die Frage, ob hier vielleicht einmal etwas passieren könnte. Man führt Gespräche mit Kunstvereinen, mit der Annenstraßen-Initiative, vielleicht auch mit der Geisterbahn am Grazer Hauptbahnhof. Das Ergebnis: noch mehr Gespräche.
Dabei hat das Haus alles, was man für einen Neustart brauchen könnte. 20.000 Quadratmeter, drei Etagen, eine glorreiche Vergangenheit als Möbelhaus und eine glorreiche Gegenwart als Abstellgleis für ungewisse Zukunftsvisionen. Die Rede ist von einem "lebhaften Anziehungspunkt", doch bisher zieht das Haus vor allem Tauben und vereinzelte Neugierige an, die sich fragen, ob die Fenster noch jemand putzt.
Markus Münzer, der Mann für die Öffentlichkeitsarbeit, gibt sich optimistisch. Man sei "in der Findungsphase", sagt er und lässt Raum für Interpretationen. Findungsphase kann vieles bedeuten: Vom genauen Hinschauen bis zum genauen Wegschauen. In diesem Fall scheint es eher um letzteres zu gehen.
Dabei hätte die Stadt dringend etwas Neues gebraucht. Ein Kulturzentrum, ein Tech-Hub, ein grünes Wohnprojekt – oder einfach einen Ort, an dem man nicht nur vorbeigeht, sondern auch stehen bleibt. Doch das ehemalige Leiner-Gebäude scheint sich in einen Dauerbaustellenmodus zu versetzen, ohne dass auch nur ein einziger Handwerker zu sehen wäre.
Die Anrainer haben sich längst damit abgefunden, dass ihr einstiges Kaufhaus zur größten Schaufensterpuppenausstellung der Steiermark geworden ist. Die Schaufenster sind dunkel, die Rolltreppen stehen still, und die Eingangstür hat wohl schon seit Monaten keinen Schlüssel mehr gesehen.
Was bleibt, ist ein Gebäude, das mehr über den Zustand der Stadt verrät als jeder offizielle Stadtplan. Ein Ort, an dem sich Stillstand, Verhandlungsbereitschaft und Zukunftsoptimismus treffen – und sich gegenseitig neutralisieren. Man kann nur hoffen, dass die "Findungsphase" bald in eine "Umsetzungsphase" übergeht. Bis dahin bleibt der ehemalige Leiner eine beeindruckende Erinnerung daran, dass auch Stillstand eine Form der Stadtentwicklung sein kann.