Manuela Stiefsohn aus Mank ist eine Frau mit klaren Zielen. Am Samstag stand nicht die Liebe zum Sport im Vordergrund, sondern der Wunsch nach einem ordentlichen Koffeinschub. Beim Donautrail in Linz, wo man normalerweise Ausdauer und mentale Stärke testet, hatte sie nur eines im Sinn: eine Tasse Kaffee, die ihr den Schweiß auf der Stirn vergessen laesst.
Der Donautrail bietet sechs Distanzen, von 12 bis 100 Kilometern. Die Veranstalter betonen, es gehe nicht um Wettkampfcharakter oder Zeitkontrolle. Manuela nahm das wörtlich und lief einfach drauflos, ohne zu wissen, ob sie schneller oder langsamer war als ein Donaudampfer. Hauptsache, sie kam irgendwann in die Verpflegungszone.
Doch dann der Schock: Am 80-Kilometer-Punkt war der Kaffee ausgegangen. Statt Espresso gab es nur noch zuckerfreie Gels und isotonische Getraenke. Manuela musste improvisieren. Sie stopfte sich Energieriegel in die Taschen und fragte sich, ob es eine Straftat waere, unterwegs einen Bäcker zu überfallen.
Bei Kilometer 95 hatte sie sich bereits mit dem Gedanken an schwarzen Tee angefreundet. Doch dann endlich: Zielbereich, Verpflegungsstand, ein Mann mit einem Kruemelmonster-Grinsen und einer Kaffeemaschine. Manuela stuerzte sich darauf wie eine Löwin auf eine Antilope - nur dass die Antilope hier ein doppelter Espresso war.
Die Lauf-Community ist gespalten. Die einen sagen, solche Extremsituationen gehörten zum Sport dazu. Die anderen fordern, Ultraläufe müssten per Gesetz mindestens drei Kaffeestationen pro 50 Kilometer vorschreiben. In Mank diskutiert man bereits, ob man einen "Koffein-Trail" einfuehrt, bei dem es an jeder Kilometer-Marke einen anderen Kaffee gibt.
Manuela Stiefsohn hat jedenfalls ihren persoenlichen Rekord aufgestellt - nicht in der Zeit, sondern in der Anzahl der Koffein-Entzugserscheinungen, die sie überwunden hat. Sie plant bereits den naechsten Lauf. Diesmal nimmt sie ihre eigene Kaffeemaschine mit. Falls es am Wegrand keine Steckdose gibt, hat sie einen Campingkocher im Gepaeck. Prioritäten muessen gesetzt werden.