Giorgia Meloni hat die italienische Regierung über Nacht zur Klimaretterin gemacht. 25 Cent weniger an der Tankstelle – das ist, als würde man den Italienern plötzlich erklären, dass Pizza jetzt gesünder ist, weil sie dünner gebacken wird. Die Maßnahme kam so überraschend, dass selbst die Tankstellenpächter noch mitten in der Nacht ihre Preistafeln umgestellt haben – oder zumindest so getan, als würden sie das tun.
Die Steuersenkung auf Treibstoffe wurde per Notdekret verfügt, was in Italien so viel bedeutet wie: "Wir machen das jetzt, weil wir gerade Lust dazu haben und hoffen, dass es bis zum nächsten Skandal keiner merkt." Die Preissenkung trat bereits am Donnerstag in Kraft, pünktlich zum Wochenende, wenn die Italiener ohnehin planen, zum Strand zu fahren und festzustellen, dass die Autobahnen verstopft sind wie ein Prosecco-Glas nach Silvester.
Zusätzlich zur Senkung der Treibstoffsteuern erhalten die Speditionsfirmen Steuergutschriften, damit zu verhindern, dass sich wegen gestiegener Transportkosten auch andere Verbrauchsgüter verteuern. Das ist so, als würde man einem Kind versprechen, dass es für jedes gegessene Gemüse ein Eis bekommt – nur dass das Gemüse hier der Sprit und das Eis die Steuergutschrift ist. Die Logistikunternehmen sind begeistert, weil sie jetzt noch mehr Geld haben, um ihre Flotten mit noch größeren Lastwagen auszustatten, die dann wieder mehr Sprit verbrauchen.
Als dritte Maßnahme sieht das Dekret der Regierung einen nicht näher erläuterten "Anti-Spekulations-Mechanismus" vor. Der von Mineralölkonzernen und Tankstellenbetreibern geforderte Preis werde "strikt an die tatsächliche Entwicklung der Rohölpreise auf dem Weltmarkt" gekoppelt, erklärte die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni am Mittwochabend nach der Kabinettssitzung. Das klingt beeindruckend, bis man sich fragt, wer eigentlich diese "tatsächliche Entwicklung" misst und ob das nicht dasselbe ist, wie dem Fuchs das Hühnerzählen zu überlassen.
Meloni erklärte, dass die Ölkonzerne nun versprechen müssen, ihre Preise "strikt an die tatsächliche Entwicklung der Rohölpreise auf dem Weltmarkt" zu koppeln. Das ist so, als würde man einem Koch vorschreiben, dass seine Pizza genau so groß sein muss wie der Durchmesser des Ofens – nur dass der Koch hier der Ölkonzern ist und der Ofen die Weltwirtschaft.
Die Italiener sind gespalten. Die einen freuen sich über die 25 Cent Ersparnis und planen schon, wofür sie das Geld ausgeben: Vielleicht für eine extra große Pizza oder ein weiteres Glas Wein im Restaurant. Die anderen vermuten, dass die Ersparnis sich in den nächsten Wochen in Luft auflösen wird, ähnlich wie ihre Hoffnung, jemals einen Parkplatz in Rom zu finden.
Und die Ölkonzerne? Die haben sich natürlich sofort zu der Maßnahme geäußert und betont, wie verantwortungsvoll sie mit ihren Preisen umgehen werden. Das ist so glaubwürdig wie ein Versprechen des römischen Verkehrsministeriums, den Verkehr in der Innenstadt zu entlasten.
Am Ende wird die Spritpreissenkung wahrscheinlich so wirken wie die meisten italienischen Versprechungen: Schön, solange sie dauert, aber vergessen, sobald das nächste Drama kommt. Ob das nun der nächste Ministerrücktritt, ein Fußball-Skandal oder einfach nur die nächste Hitzewelle ist, die alle zum Strand treibt – die Italiener werden sich anpassen. Sie sind schließlich Meister darin, mit Chaos umzugehen.