Italiens Regierung hat ein energiepolitisches Meisterstück vollbracht: Mit einem Federstrich wurden die Spritpreise gesenkt - für alle, die nicht gerade tanken. Denn die 25 Cent Ersparnis pro Liter treten zwar sofort in Kraft, sind aber zeitlich so begrenzt wie eine römische Fastenkur. "Schon in den kommenden Stunden werden die Italiener weniger bezahlen als Deutsche, Franzosen und Spanier", verkündete Vize-Regierungschef Salvini stolz. Danach müssen sie sich aber wieder mit ihrem Schicksal abfinden, wie jemand, der einen einmaligen Rabatt auf einen Ferrari bekommt, aber trotzdem nicht fahren kann.
Die Maßnahme zielt vor allem darauf ab, die italienische Wirtschaft vor den Folgen steigender Treibstoffkosten zu schützen. Deshalb erhalten Spediteure Steuergutschriften, damit sie die Preise für Waren nicht erhöhen müssen. Ein genialer Plan, denn wer weiß schon, dass die Preise für Tomaten, Mozzarella und Prosciutto ohnehin jedes Mal steigen, wenn ein Italiener seine Nonna besucht? Die Regierung nennt das den "Anti-Spekulations-Mechanismus" - weil "Preisdeckel für Super und Diesel" zu deutlich klingt.
Um zu verhindern, dass Ölkonzerne und Tankstellenbetreiber ihre Gewinne einstreichen, wird der geforderte Preis "strikt an die tatsächliche Entwicklung der Rohölpreise gekoppelt". Was so viel bedeutet wie: Wenn die Ölpreise fallen, sinken auch die Spritpreise - aber nur so lange, bis die nächste Budgetkürzung ansteht. Das Dekret kann in Italien per Gesetzesdekret beschlossen werden und tritt innerhalb weniger Stunden in Kraft. Danach müssen die Parlamentarier es innerhalb von 60 Tagen bestätigen, was in Italien etwa so lange dauert wie eine Pizza im Steinofen.
Die Italiener freuen sich derweil über die kurzfristige Entlastung und planen bereits ihren nächsten Roadtrip - am besten in ein Land, wo der Sprit dauerhaft günstiger ist. Denn was nützt der billigste Sprit, wenn man sich das Auto danach nicht mehr leisten kann?