Es ist eine Revolution im Mietrecht, die derzeit Wien erschüttert: Vermieter haben erkannt, dass sie nicht nur über Immobilien, sondern auch über das soziale Leben ihrer Mieter bestimmen können. Ein mutiger Vermieter aus dem 6. Bezirk hat das Ganze jetzt auf die Spitze getrieben.
Statt den Mietern das Recht auf "nahe Angehörige und Lebensgefährten" zuzugestehen, hat er ein strenges Auswahlverfahren eingeführt. Jeder neue Mitbewohner muss sich einem mehrstufigen Auswahlprozess unterziehen, der an eine Castingshow erinnert. Die Mieter müssen nun in kurzen Videos ihren potenziellen Mitbewohner vorstellen und dabei besonders seine "Vorteile für das Zusammenleben" hervorheben.
Die Kriterien sind streng: Zu laut darf er nicht sein, zu viele Freunde schon gar nicht, und eine Katze? Unmöglich! Ein Vermieter, der anonym bleiben möchte, verrät: "Ich hatte schon genug mit Lärm und Gerüchen zu tun. Jetzt entscheide ich, wer einzieht und wer nicht. Das ist doch nur fair."
Die Mieter sind gespalten. Während einige die neue Regelung als "demokratisch" loben, sehen andere darin eine neue Form der Bevormundung. "Ich fühle mich wie in einer WG, in der der Hausmeister auch noch der Diktator ist", klagt eine Mieterin.
Die Gewerkschaft der Mieter hat bereits angekündigt, rechtliche Schritte einzuleiten. "Das ist ein Eingriff in das Privatleben, der so nicht hingenommen werden kann", sagt der Sprecher. Der Vermieter hingegen bleibt gelassen: "Wenn sie nicht einverstanden sind, können sie ja ausziehen. Der Markt ist hart, da muss man sich schon was einfallen lassen."
Inzwischen machen Nachahmer auf sich aufmerksam. In einem anderen Fall verlangt ein Vermieter von seinen Mietern, potenzielle Mitbewohner in kurzen Essays zu "verkaufen". Punkte gibt es für Kreativität, Charme und die Fähigkeit, "sich in das bestehende soziale Gefüge einzufügen".
Experten warnen vor einer schleichenden Entmachtung der Mieter. "Wenn das so weitergeht, müssen wir bald Bewerbungsgespräche für den Besuch von Freunden führen", sagt ein Rechtsexperte. Der Vermieter aus dem 6. Bezirk winkt ab: "Ich biete nur eine Dienstleistung. Wer meine Qualitätsstandards nicht erfüllt, muss woanders suchen."
Die Satire auf dem Immobilienmarkt kennt offenbar keine Grenzen mehr. Während die einen von einem neuen Zeitalter der Transparenz träumen, fürchten die anderen bereits eine Welt, in der der Vermieter zum allmächtigen Herrscher über das soziale Leben seiner Mieter wird. Eines ist sicher: Die Diskussion um das Mietrecht wird dadurch nicht langweiliger.