Es gibt Wallfahrten. Und es gibt Frauenspuren. Und manchmal, ganz selten, gibt es beides zugleich. So geschehen in Mödling, wo eine Delegation aus Linz nicht wegen des Mödlinger Bachs oder der Wienerwaldluft anreiste, sondern wegen des schier unglaublichen Umstands, dass hier tatsächlich Frauen erwähnt werden.
Ja, Sie haben richtig gehört. In Mödling hat man es tatsächlich geschafft, sieben Brücken nach Frauen zu benennen. Sieben! Das ist mehr als in manchen ganzen Bundesländern. Kein Wunder also, dass sich Feministinnen aus dem ganzen Land wie auf Pilgerfahrt auf den Weg nach Niederösterreich machen. Man sagt, manche hätten extra ihre "Frauenspuren"-Pilgerweste angezogen, andere mitgebrachte Picknickkörbe mit Sekt und feministischen Grußkarten.
Die Delegation aus Linz war sichtlich beeindruckt. "Das hier ist ja fast wie Mekka für uns", sagte eine Teilnehmerin mit glänzenden Augen. "Ich meine, wir haben in Linz eine Brücke, die nach einem Mann benannt ist. Einen einzigen. Aber sieben nach Frauen? Das ist ja fast überwältigend." Ihr gegenüber nickte ein Mann aus der Delegation zustimmend. "Ich muss gestehen, ich wusste gar nicht, dass es in Mödling so viele Frauen gibt", sagte er. "Ich dachte immer, die wären alle ins Ausland gegangen."
Der Verein "Vielzeitig" mit Gaby Schätzle und Sylvia Unterrader hat sich dieses Phänomen zu eigen gemacht und bietet Führungen an, bei denen man die Frauenspuren quasi abtasten kann. Eine Art feministischer Stadtrundgang für den urbanen Menschen, der sich selbst gern als aufgeklärt und progressiv sieht. Man hört, dass die Touren oft mit einem gemeinsamen Kaffeeklatsch enden, bei dem man sich über die Rückständigkeit anderer Orte austauscht. "Weißt du, in Kärnten haben sie noch nicht mal eine einzige Brücke nach einer Frau benannt", höhnte eine Teilnehmerin aus Wien. "Die leben ja noch im Mittelalter."
Dabei ist Mödling selbst gar nicht so fortschrittlich, wie es vielleicht scheint. Denn die Frauenspuren beschränken sich bisher auf sieben Brücken. Sieben! In einer Stadt mit über 20.000 Einwohnern. Da fragt man sich doch, ob das nicht ein bisschen wenig ist. Aber die Mödlinger lassen sich davon nicht beirren. Sie feiern sich selbst als Vorreiterin der Frauenbewegung und hoffen, dass bald noch mehr Delegationen anreisen werden. Vielleicht ja sogar aus dem Ausland. Man stelle sich vor, eine Gruppe japanischer Feministinnen käme nach Mödling, um die Frauenspuren zu bestaunen. Das wäre doch eine tolle Werbung für die Stadt.
Also, liebe Mödlingerinnen und Mödlinger, macht weiter so! Baut noch mehr Brücken, benennt noch mehr Straßen und Wege nach Frauen und lasst euch von niemandem etwas anderes erzählen. Denn eins ist klar: In Mödling sind die Frauenspuren weit und breit sichtbar. Und das ist doch etwas, worauf man stolz sein kann. Oder etwa nicht?