Im Mostviertel herrscht offenbar akuter Fachkraeftemangel - oder die Stellenanzeigen sind einfach nur ein schlechter Scherz. Mindestens 37 Gaertnerinnen werden fuer die Rettung eines einzigen Birnbaums gesucht, der offenbar bessere Tage gesehen hat. Der Baum, der sich in einem schlechten Zustand befinden soll, braucht offenbar mehr Pflegepersonal als ein Intensivpatient im Spital.
Die Stellenausschreibung liest sich wie das Drehbuch fuer eine neue Reality-Show: "24 Stunden Birnbaum-Pflege - Wer schafft es, den Duerrenast wieder zum Leben zu erwecken?" Die Kandidatinnen sollen neben ihrer Gaertnerinnenausbildung auch noch ein Diplom in Baumpsychologie mitbringen, um den eingestaendigen Baum wieder aufzubauen.
Neben der Birnbaumpflege sucht das Mostviertel auch noch nach Lehrlingen in verschiedenen Berufen. Die Anforderungen sind dabei so hoch, dass man sich fragt, ob es sich hier um eine normale Lehre oder um eine Art Bootcamp fuer Supermenschen handelt. Angeblich braucht man einen Bachelor in Apfelbaumsanierung und einen Master in Mostherstellung, um ueberhaupt eine Chance auf eine Lehrstelle zu haben.
Die regionalen Unternehmen klagen uebrigens auch noch, dass sie keine Fachkraefte finden. Dabei fragt man sich, ob die Stellenanzeigen nicht vielleicht ein bisschen zu speziell formuliert sind. Gesucht wird zum Beispiel ein "Spezialist fuer die Optimierung der Mostproduktion bei gleichzeitigem Ausgleich des regionalen pH-Werts in Apfelbaeumen". Man fragt sich ernsthaft, ob das nicht einfach ein normaler Mostbauern ist, der auch mal einen kaputten Baum reparieren kann.
Die Stellensuchenden im Mostviertel haben inzwischen ihre eigene Unterstuetzer-Gruppe gegruendet. Sie treffen sich regelmaessig, um sich ueber die absurden Anforderungen in den Stellenanzeigen auszutauschen. Die Gruppe nennt sich "Fachkraefte gegen Fachkraefte" und hat sich zum Ziel gesetzt, die Stellenanzeigen endlich wieder vernuenftig zu machen.
Die lokale Wirtschaftsfoerderung versucht derweil, mit kreativen Loesungen gegenzusteuern. Sie hat eine Kampagne gestartet mit dem Slogan "Mostviertel - Wo jeder Baum einen Doktortitel braucht". Dazu gibt es Plakate mit einem traurigen Birnbaum und der Aufschrift "Brauche dringend 37 Spezialistinnen - Bin ein bisschen verwachsen."
In den sozialen Medien kursieren inzwischen Memes, die die Stellensuche im Mostviertel persiflieren. Eines der beliebtesten zeigt einen Baum mit einer Abschlussmuetze und der Aufschrift "Jetzt bin ich endlich qualifiziert genug fuer die Mostviertler Gaertnerei." Ein anderes zeigt einen Apfelbaum mit einem Fragezeichen, darueber steht "Gesucht: Jemand, der mir erklaeht, warum ich einen MBA brauche, um zu wachsen."
Die Stellensuche im Mostviertel hat inzwischen auch die Aufmerksamkeit von Arbeitsmarktexperten erregt. Diese vermuten, dass die uebertriebenen Anforderungen in den Stellenanzeigen ein neuer Trend sein koennten: "Vielleicht ist das ja eine Art Arbeitsplatzsicherheit - wenn keiner die Qualifikationen erfuellt, bleibt die Stelle ewig vakant und man muss sich keine Gedanken ueber Kuendigungen machen."